…und was ist mit HTC

Bei dem Treffung zur Gründung eines Fachverbands Pflanzenkohle in Leonberg gab es den Wunsch nach einer deutlichen Distanzierung von der Technik der Hydrothermalen Carbonisierung HTC. Es wurde darauf verwiesen, dass es ja bereits einen Bundesverband Hydrothermale Carbonisierung (BV-HTC) gäbe.

Auf dessen Website findet man eine überschaubare Liste von Mitgliedern dieser ebenfalls als e.V. organisierten Interessenvertretung mit Sitz in Mecklenburg-Vorpommern. Auch die sonstigen Informationen sind nicht gerade taufrisch. Im Februar 2017 waren nur drei Pressemeldungen von 2011 bis 2014 zu finden. Der Verband beansprucht die wesentlichen Akteuere aus Forschung und von Firmen zu vertreten.

Auf den Websites der Mitglieder ergibt sich ein ähnliches Bild hinsichtlich der Aktualität und hinsichtlich des Umfangs der Informationen. Man bekommt den Eindruck, dass sich im Gebiet von HTC nicht viel getan hat.

Grossprojekte zur Hydrothermalen Carbonisierung

Der Eindruck täuscht, wie man leicht feststellen kann,wenn man andere Quellen benutzt. Es hat in den letzten Jahren eine Reihe von grossen Verbundprojekten gegeben, an denen auch Mitglieder des BV-HTC beteiligt waren. Sowohl beim Ausgangsmaterial, etwa Grünschnitt, als auch beim Einsatz der Kohle in der Landwirtschaft gibt es eine gewisse Konkurrenz mit den Vertretern der Pflanzenkohle. Allerdings ist HTC sowohl beim Ausgangsmaterial, als auch bei der Verwendung der gewonnenen Kohle breiter aufgestellt. Die Kohle könnte auch als Brennstoff, sogar in Kohlekraftwerken, genutzt werden. Allerdings müsste sie dann nach Kreislaufwirtschaftsgesetz ihre Eigenschaft als Abfall verlieren. In der HTC-Szene spricht man von Biokohle, was ein Grund für die Neigung zur Abgrenzung bei der Pflanzenkohle erklärt.

Ergebnisse der Verbundforschungsvohaben

Das Projekt carbowert des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung wurde vom Helmholzzentrum für Umweltforschung UFZ koordiniert. Beteiligt waren die Terra Nova Energy GmbH (von der Marc Buttmann stellvertretender Vorsitzender des BV-HTC ist) als Entwickler eines Konversionsverfahrens, das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) der Uni Trier (Prozessmodellierung und Analytik), sowie das Deutsche Biomasseforschungszentrum gGmbH – DBFZ  und das Institut für Angewandte Stadtökologische Projekte a. d. Humboldt-Universität Berlin – IASP (Feldversuch auf humusarmen landwirtschaftlichen Böden in Brandenburg).

Das DBFZ bietet ein Innovationsforum Hydrothermale Prozesse Informationen an und weist auf Veranstaltungen hin.

Ein weiteres Projektmit einem Volumen von mehreren 100.000 € war an die Kläranlage in Halle angebunden.

In Karlsruhe arbeitet am KIT (auch Mitglied des BV-HTC) das Institut für Katalyseforschung und -Technologie (IKFT) mit der Versuchsanlage VERENA an einem Prozess zur herstellung von Wasserstoff aus feuchten Biomassen. Bei Temperaturen bis zu 700°C und Drücken bis zu 300 bar reagiert die Biomasse mit Wasser nahezu vollständig und es entstehen die Hauptprodukte Wasserstoff, Methan und Kohlendioxid.

Ebenfalls in Karlsruhe  wurde eine Pilotanlage zur Phosphorgewinnung aus Klärschlamm gebaut, die HTC-Klärschlammkohle gewinnt: Das wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Das auf der hydrothermalen Carbonisierung (HTC) basierende Verfahren wurde bereits im Labor von AVA- CO2 erfolgreich getestet. In Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim und der Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC, im halbtechnischen Maßstab erprobt. Das Projekt soll zeigen, dass sich dank der AVA cleanphos Technologie ein pflanzenverfügbarer Recycling-Dünger aus Klärschlamm effizient und kostengünstig herstellen lässt. Es entstehen zwei wirtschaftlich interessante Produkte: Dünger und die phosphorfreie HTC-Klärschlammkohle, die auch in Zukunft als Ersatz für Braun- oder Steinkohle in der Mitverbrennung eingesetzt werden kann – was zu beträchtlichen Einsparungen von CO2-Emissionen führt.

Die AVA- CO2 aus Zug in der  Schweiz hat schon 2012 zur Hannover Messe gemeldet, dass sie über ihreTochterfirma die weltweit größte HTC-Anlage im industriellen Maßstab betreibt, die 2010 im Rheinhafen errichtet wurde. Inzwischen tritt das Unternehmen als AVALON-Industries auf und hat die hydrothermale Karbonisierung zur Herstellung von 5-Hydroxymethylfurfural weiterentwickelt. 5-HMF gilt als Plattformchemikalie für chemische, pharmazeutische und die Polymer-Industrie.

Verschiedene Ligen für Pflanzenkohle und HTC

Die Beispiele zeigen, dass man bei Pflanzen- und Biokohle in verschiedenen Ligen spielt. Für die HTC braucht man wegen der Drücke von gut 15 – 20 bar (wie in einem Dampfkessel) eine kostspielige Technik. Pyrolyse kommt zwar auf höhere Temperaturen, funktioniert aber bei Normaldruck und kann notfalls in einer Konservendose oder einem alten Ölfass durchgeführt werden.

Dazu kommt,dass es bei der Pflanzenkohle durch die Verwendung in Terra-preta-Substraten einen grosses Umfeld von engagierten Amateueren gibt, die auf der eigenen Scholle damit Versuche machen. Es gibt eine eher mittelständisch struktrurierte Industrie, die Pyrolyseanlagen baut(wie PYREG), betreibt und Substratmischungen vertreibt. Den aktuellen Stand dieser Szene kann man bei den Humustagen in der Ökoregion Kaindorf in Österreich erkennen. Kleinere Veranstaltungen dieser Art finden laufend in auch in Deutschland und in der Schweiz statt.

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