Torf als Treibmittel für Schiffsgasanlagen.

220 HANSA Deutsche Schiffahrtszeitschrift. Februar 1940

Die Schiffsgasanlagen sind heute in jeder Beziehung aus dem Stadium der Kinderkrankheiten heraus und haben sich
in der gesamten Schiffsmaschinentechnik trotz aller anfänglichen Einwendungen und betrieblichen Bedenken ihren
Platz voll und ganz erkämpfen können. Für den Betrieb von Sauggasanlagen an Bord kommt nun heute eine ganze
Reihe von festen Brennstoffen in Frage die meist auf Kohle, Holz oder Torf basieren und in Form von verschiedenen Schwelkoksen und Holzkohle zur direkten Verwendung gelangen.

Es hat sich nun erwiesen daß für den Generatorenbetrieb diejenigen Brennstoffe am geeignetsten sind die am wenigsten Asche und Schwefel enthalten und die daneben eine möglichst geringe Teerbildung aufweisen zu welchem Zwecke man ja auch die erwähnten geschwelten Kokse verwendet. Außerdem aber wird Brauchbarkeit eines Brennstoffes nicht zuletzt von seiner Reaktionsfähigkeit bestimmt d. h. von seiner Fähigkeit sich der durch den Sog des laufenden Motors bewirkten verbrennungstechnischen Belastung des Generators sprechend schnell anzupassen.

Der an sich idealste Brennstoff für Gasgeneratoren an Bord ist nun die Holzkohle und der aus dem Torf nach besonderen Verfahren gewonnene Torfkoks die beide die oben erwähnten Eigenschaften jn hohem Maße besitzen. W ährend nun aber Holzkohle in diesem Zusammenhange heute nicht mehr aktuell ist da ihr Grundstoff Holz als Grundlage für andere lebenswichtige Industriezweige dient muß man heute dem Torf und seinen Produkten eine er höhte Beachtung schenken zumal er besonders in Nordwest-Deutschland in erheblicher Menge zur Verügung steht und man so in der Lage ist die Kohle und ihre für den Generatorbetrieb bisher fast ausschließlich ver wendeten Koksprodukte weitgehend zu entlasten.

In diesem Zusammenhange verdient nun eine Zu sammenkunft von Fachleuten Erwähnung die in Oldenburg und Hamburg auf Einladung der Hamburger Motoren fabrik Carl Jastram vor einigen Tagen veranstaltet wurde. Dort machte der Fabrikant Carl Jastram beachtliche Ausführungen über Torf als Treibmittel für Schiffsgas anlagen.

Der Vortragende wies u. a. darauf hin daß der Sauggasmotor durchaus kein Kind unserer Zeit ist sondern in Folge der schwierigen Devisenlage und durch erschwerte Einfuhr von Erdölprodukten nicht zuletzt eben auch für den Antrieb von Schiffen wieder ans Licht gezogen wurde. W ährend noch um die Jahrhundertwende der Sauggasmotor überwiegend für Anthrazit und Steinkohlen-Schwelkoks gebaut wurde sind in den letzten Jahren auch andere feste Brennstoffe herangezogen worden. Damit aber rückte nun auch der Generator mit absteigender Verbrennung für teerhaltige Brennstoffe wie Holz und Torf in den Vordergrund zumal er manche Vorteile gegenüber dem bisher fast allgemein an Bord gebräuchlichen Generator mit aufsteigender Verbrennung Steinkohle-Schwefelkoks und Anthrazit aufweist.

Dem heute üblichen Koksgas-Generator ob mit Anthrazit oder Steinkohlen- oder Braunkohien-Schwelkoksbetrieben haften nämlich gewisse Nachteile an von denen vor allem der unliebsame Geruch der vom Auspuff oder auch bei stehendem Motor vom Abzugrohr des Generators ausgeht erwähnt sei. Diese Geruchsbelästigung ist nun beim Torfgas-Generator bedeutend geringer.

Der Koks-Generator bedingt außerdem für seinen Betrieb einen Dampf- bzw. Wasserzusatz, dessen Wasserstoff zur Bereicherung des Kohlenoxydgases CO betrugen in der Brennzone abspalten kann und ferner die Ver brennungstemperatur im Generator selbst gleichzeitig herabgedrückt wird. Diese ganze Einrichtung macht den Generator in gewissem Sinne kompliziert. Der mit Torf betriebene Generator hat diese Wasserzusatz-Einrichtung nicht nötig da im Torf das Wasser natürlich gebunden ist. Es erfüllt hier also ganz die gleiche Aufgabe ohne eine mehr oder weniger umfangreiche Apparatur.

Auch die Aschenfrage die beim Koks-Generator schwierig zu beherrschen ist und bewegliche Rostkonstruktionen bedingt ist beim Torfgenerator von wesentlich geringerer Bedeutung da der Torf nur etwa 2 – 3 % Asche aufweist gegenüber 15 % und darüber bei den aus der Kohle gewonnenen Brennstoffen. Außerdem ist die Torfasche spezifisch leicht und bildet keine festbackenden Schlackenkuchen die erst verstoßen werden müssen.

Ein Nachteil des Torfes ist allerdings wieder sein recht geringes Schüttgewicht rund 350 Kg/cbm. Damit wächst bei ihm die Notwendigkeit eines öfteren Nachschüttens  gegenüber dem Kohlenkoks-Generator. Dieser Nachteil macht nach Ansicht mancher Fachleute den Torfgas-Generator unmöglich für Fahrzeuge zu Wasser und zu Lande. Bei näherer Beschäftigung mit dieser Schwierigkeit aber lassen sich jedoch konstruktive Lösungen in der Gestaltung der betreffenden Fahrzeuge finden. Das Fluß-Schleppschiff Bober ein Projekt das die Motorenfabrik Carl Jastram speziell für die Verwendung von Torf als Brennstoff für die Generatorenanlage ausgearbeitet hat beweist daß es durchaus möglich ist die für Torf erforderliche Bunkergröße an Bord unterzubringen zumal ja beim Jastram-Generator Transporteinrichtungen vermieden sind und hier der Brennstoff von eben direkt in den bei allen Jastram-Anlagen stets unter dem Hochbunker liegenden Generator fällt.

Anschließend ergriff Dr. Ing. Klug von der Torfverwertungsstelle das W ort und stellte u. a. fest daß man das Schüttgewicht des Torfes durch besondere Maßnahmen in Zukunft mehr und mehr erhöhen könne. Er wies in seinen Ausführungen dann weiter auf die Wichtigkeit der Reaktionsfähigkeit der verschiedenen Brennstoffe hin eine Eigenschaft die nach seiner Ansicht in besonders hohem Maße beim Torf und bei der Braunkohle und deren Schwei produkten gegeben ist. Er erwähnte auch die gelungene Prüfungsfahrt eines mit einem Torfgas-Generator aus gerüsteten Lastwagens der mit Torf als Brennstoff mehrere 1000 Kilometer gefahren ist.

Der Verbrauch an Torf (Gas-Torf ist zerkleinerter schwarzer Torf) ist mit einer genauen Zahl nicht anzugeben. Der Verbrauch der Anlage in Stollhamm die im Rahmen der Veranstaltung besichtigt wurde ist seinerzeit von Dr. Ing. Klug untersucht worden und ergab im günstigsten Falle bei Vollast 630 gr/PS/st. Im praktischen Betriebe dürfte man auf etwa 750gr/PS/st kommen.

Von besonderer Wichtigkeit für die Sauggasanlagen an Bord von Schiffen ist die Betriebsbedienung, was von allen anwesenden Fachleuten unterstrichen wurde wie überhaupt die Umstellung aller Kraftmaschinen auf andere oder gar wechselnde Brennstoffe naturgemäß besondere Anforderungen an das Personal stellt.

In Hamburg besichtigten die Teilnehmer der Veranstaltung dann das von der Motorenfabrik Carl Jastram mit einer neuen Koksgas – Generatoranlage und Sauggasmotor ausgerüstete Schleppschiff Bastau mit dem einige Manöverierversuche im Hafen unternommen wurden.
Download PDF:

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*