Zur Geschichte der Gasbeleuchtung

Dinglers Polytechnischen Journal, 1919, Band 334 (S. 274–279)

Zur Geschichte der Gasbeleuchtung in Oesterreich liefert Prof. Dr. A. Bauer-Wien einen interessanten Beitrag in einer kleinen Schrift über Zach. Andreas Winzler. Er betont zunächst, daß dieser Mann nicht mit dem Abenteurer Winsor identisch ist, der sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in London um die Einführung der Gasbeleuchtung bemühte und dabei bekanntlich eine wenig rühmliche Rolle gespielt hat. Zach. Andreas Winzler wurde im Jahre 1750 zu Unlingen in Schwaben geboren, er studierte Medizin und kam 1778 nach Oesterreich, wo ihm die Leitung des „Salpeterwesens“, das damals als Staatsregal einer Privatgesellschaft zugewiesen war, übertragen wurde. Im Jahre 1800 erwarb er sich in Znaim in Mähren ein Anwesen und betrieb dort die Gewinnung von Salpeter mit Erfolg in eigener Regie. Daneben beschäftigte er sich mit dem Studium der Gasbereitung durch trockene Destillation von Holz und anderen Rohstoffen, sowie mit der Anwendung des gewonnenen Gases zur Beleuchtung und Heizung, namentlich aber auch mit der Nutzbarmachung der hierbei erhaltenen Nebenerzeugnisse Holzessigsäure und Teer. Durch Zeitungen und Flugblätter erhielt Winzler Kenntnis von der Erfindung einer „Thermolampe“ durch den französischen Ingenieur Lebon. Ohne näher über die Einrichtung dieses Apparates unterrichtet zu sein, unternahm Winzler die Konstruktion einer solchen Thermolampe, die er einen „Universal-Leucht-Heiz-Koch-Sud-Destillier- und Sparofen“ nannte. Er stellte einen solchen Apparat zunächst in seiner Salpeterfabrik und später im Hause des Kreishauptmanns von Rosenberg in Znaim auf. Diese Versuche Winzlers lenkten auch die Aufmerksamkeit der Militärverwaltung auf sich, die versuchsweise die Aufstellung einer Thermolampe in einer Znaimer Kaserne veranlaßte. Der Apparat diente hier zur Beheizung der Zimmer und zugleich zur Bereitung des Essens für 50 bis 60 Mann. Auf Veranlassung des Feldmarschalls Erzherzog Karl besichtigte eine militärische Abordnung aus Wien die Anlage in der Znaimer Kaserne, was zur Folge hatte, daß Winzler seinen Apparat im Hofkrieggebäude in Wien vorführen konnte. Bald darauf gelangte sein Beleuchtungsverfahren in der Alserkaserne in Wien zur Einführung.

Die „Wiener Zeitung“ vom 5. März 1802 schildert die Versuche Winzlers, die dieser auch öffentlich vorführte, und weist namentlich auf die wirtschaftlichen Vorteile des neuen Verfahrens hin, was bei den damals geltenden niedrigen Preisen von 45 Kreuzern für einen Wiener Zentner Steinkohle und 18 Kreuzern für ein Pfund Kerzen gewiß bemerkenswert war. Nach einer Mitteilung des Arztes Dr. de Carro lassen sich die finanziellen Vorteile der Vorrichtung Winzlers folgendermaßen zusammenfassen: Von 9 Kreuzern Wert des der Destillation unterworfenen Holzes erhält man 5/9 als Holzkohle zurück und 4/9 verbraucht man zum Heizen des Zimmers, zum Zubereiten der Speisen für 11 Personen und zur Gewinnung des Teers. Dieser aber sowie die Holzkohle können für 17 Kreuzer verkauft werden.

Winzler führte die Anwendung des Holzgases zur Destillation von Weingeist vor zahlreichem Publikum mit großem Beifall vor und brachte im Sommer 1802 seinen Apparat auch nach Preßburg, wo er ebenfalls eine günstige Aufnahme fand. Zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten interessierten sich für seine Erfindung und Blochmann bemerkt in seinem Werk über die Gasbeleuchtung: „Hätte Winzler solche Unterstützung gehabt wie Winsor in England, und hätte ihm ein Rohmaterial zu Gebote gestanden von solcher Güte wie z.B. die schottische Cannelkohle, so kann man nicht zweifeln, daß Wien der Ausgangspunkt des Beleuchtungswesens geworden wäre.“ Winzler zog Ende 1811 von Znaim nach Wien, wo er in die Dienste des Altgrafen von Salm-Reifferscheidt trat, und starb in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. (Nach einem Sonderabdruck aus der „Wiener Abendpost“.)

Sander

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