Weißes Papier zu einem schwarzen Stoff

Das European Biochar Industry Consortium (EBI) hat Mitte Oktober ein sogenanntes  whitepaper (PDF, 1,55 MB) veröffentlicht.

Es soll Politiker, Journalisten, Wissenschaft, Umweltverbände und Investoren anregen sich mit dem Thema »Pflanzenkohle« zu beschäftigen. Es setzt an der Forderung an, daß „ohne die aktive Schaffung von Kohlenstoffsenken zusätzlich zur schnellstmöglichen Reduktion von Treibhausgasen die Klimakrise nicht mehr auf ein für viele Menschen erträgliches Maß zu halten sein wird.“

Die Zusammenstellung gibt insbesondere einen Überblick über den Stand des Wissens zur Pflanzenkohle und welche positiven Wirkungen unter geeigneten Bedingungen von ihrem Einsatz zu erwarten seien

  • Pflanzenkohle werde bereits heute erfolgreich als Futtermittelzusatz in der Tierhaltung zur Verbesserung der Tiergesundheit eingesetzt
  • Pflanzenkohle  könne in Verbindung mit Düngemitteln zur Ertragssteigerung oder zur Stabilisierung von Erträgen führen.
  • Pflanzenkohle könne einem Humusschwund der Böden entgegenwirken, Nitratauswaschung verringern und die Wasserspeicherfähigkeit von Böden erhöhen.

Alle diese positiven Eigenschaften können dazu beitragen, die Resilienz landwirtschaftlicher Systeme gegenüber der Klimakrise zu steigern. GelWelchen Beitrag die Pflanzenkohle als Kohlenstoffsenke leistet, hängt von ihrer Verwendung ab. Als Kompost- oder Güllezusatz oder über die Anwendung in Futtermitteln gelangt Pflanzenkohle in landwirtschaftliche oder urbane Böden und der über die Pflanzenkohle eingebrachte Kohlenstoff bleibt dort für einige Jahrhunderte stabil.

Quelle: www.co2abgabe.de

Das Whitepaper geht über die hinlänglich bekannte landwirtschaftliche Nutzung hinaus und erwähnt, daß in Baumaterialien eingearbeitet, die eine Verbrennung ausschließen würden, die Abbaurate noch sehr viel kleiner sein könne. Als Beispiele werden Beton, Kalkputz, Gips oder Lehm genannt. Diese Anwendungen seien weltweit in Entwicklung.

Forderung nach einer Kohlenstoffsenken-Ökonomie 

Damit Kohlenstoffsenken im notwendigen Umfang geschaffen werden brauche es eine Kohlenstoffsenken-Ökonomie mit entsprechenden finanziellen Anreizen.

Es wird darauf hingewisen, dass die Nutzung fossiler Ressourcen und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen auf keinen Fall durch temporäre Senken, etwa Aufforstung, von ein paar Jahren “ausgeglichen“ werden könnten.

Inhaltsverzeichnis

Executive Summary
Vorwort
1 Die Notwendigkeit von Kohlenstoffsenken
2 Negativemissionen im Überblick
3 Pflanzenkohle als Negativemissionstechnologie
3.1 Persistenz (Beständigkeit) von Pflanzenkohle in verschiedenen Anwendungen
3.2 Potenzial der Senkenleistung von Pflanzenkohle/PyCCS
3.3 Anwendungsnutzen von Pflanzenkohle
4 Entstehung einer Kohlenstoffsenken-Ökonomie
4.1 Bilanzierungsgrundsätze für Kohlenstoffsenken: No sink is forever
4.2 Vergütung von Kohlenstoffsenken
5 Handlungsempfehlungen
6 Literaturverzeichnis

Das European Biochar Industry Consortium besteht zur Zeit (Herbst 2020) aus einem guten Dutzende Unternehmen aus dem Bereich der Pflanzenkohle, darunter bekannte Namen wie Pyreg (Hersteller von Pyrolyseanlagen), Sonnenerde (Hersteller von Erden, Anwender von PYREG-Anlagen), Novocarbo (Herstellung und Vertrieb von Biokohle), eurofins (Labor zur Untersuchung von Biokohle), Circular Carbon (Future of Soil Management) und eine Reihe weniger bekannter.

Laut Website handelt es sich um einen eingetragenen Verein (e.V.). Registriert in Freiburg unter der Nummer VR 702693 mit Gründungsdatum: 17.09.2019

Als Verantwortliche werden genannt.

  • Harald Bier, Head of the EBI Consortium Office
  • Hansjörg Lerchenmüller, Chairman of the Board (auch als Autor des Whitepaper genannt).

Sein Lebenslauf ist unter Lerchenmüller Consulting in Freiburg einzusehen. Dort heißt es: Erfahrener Unternehmer, Umweltpreisträger, Business Angel, Unternehmensberater, Senior Manager. Angetrieben von visionären Ideen und Unternehmergeist. Über 25 Jahre Erfahrung in der erfolgreichen Vermarktung neuer Technologien. Gründung eines Hightech-Solarunternehmens, Ausbau zur Marktführerschaft und Verkauf an einen strategischen Investor. Heute konzentriere ich mich auf Start-up-Beratung und Business Angel-Investitionen mit den Schwerpunkten Erneuerbare Energien, Pflanzenkohle und Klimaschutz.

Weitere Details zum Hintergrund auf der Website von carbonfuture

  • Anfang 2019 haben uns Hans-Peter Schmidt vom Ithaka Institute und Hansjörg Lerchenmüller von der Carbuna AG angesprochen und ihre Ansätze, die Mängel der bestehenden Emissionsmärkte zu beheben, mit uns diskutiert. Aus akademischer Sicht hat uns Hans-Peters grundlegend neue Idee, Senken durch Vermietung statt Verkauf zu finanzieren, sofort eingeleuchtet und inspiriert. Wir begannen die Arbeit an einem skalierbaren Framework zur Senkenfinanzierung, in welchem das grundlegende ökonomische Prinzip ist, Arbeit gegen Erderwärmung angemessen zu vergüten – wir nennen es die Kohlenstoff-Senkenökonomie.
  • Im Sommer 2019 haben wir unsere akademischen Resultate zusammen mit einer Blockchain-basierten Beispielimplementierung vorgestellt: Zuerst auf der IBI Study Tour in Finnland, und ein paar Wochen später auf der Fachtagung des deutschen Fachverbands Pflanzenkohle. Das Konzept fand große Unterstützung und hielt allen kritischen Rückfragen stand. Es scheint genau der fehlende Baustein zu sein, um die so dringend benötigten naturbasierten Senken rasch und in großer Zahl zu schaffen.

Die carbonfuture GmbH hat die gleiche Adresse (Paul-Ehrlich-Straße 7 79106 Freiburg) wie das European Biochar Industry Consortium (EBI) im Grünhof, einem Kreativ- und Gründerzentrum in einer ehemaligen Lokomotivhalle.

 

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