Waldgeschichte des Alterthums

Ein Handbuch für akademische Vorlesungen, 1886

August Seidensticker, König. Preuß. Forstmeister a. D. Ritter des Rothen Adler-Ordens

Waldgeschichte des Alterthums

Ein Handbuch für akademische Vorlesungen etc.

1886, Frankfurt a. 0. Verlag der Königlichen Hofbuchdruckerei Trowitzsch & Sohn

Quelle: archive.org Erster Band, Seite 803

4. Kohlholz.

Hatte man keine andere Verwendung für das stärkere Brennholz [ligna], so schritt man auch zu seiner Verkohlung [„carbo”, „carbunculare”]. Man verkohlte ferner im Bedarfsfall aus Prinzip: Holzkohlen dienten zur Erzeugung starker, durch den Holzbrand nicht zu erreichender Hitze. [Sprüche Salomos 26,21]

Dabei kamen folgende Momente in Betracht: die Holzarten, deren Alter, ihr Standort, die verschiedene Verwendung der Kohlen und die Verkohlungsmethode. Es waren Verschiedene Hölzer zur Verkohlung geeignet. [Theophrast V, 9,6]

In Aegypten bedienten sich die Eisenschmiede der hartholzigen Wurzel der Saristaude [cyperus fastigiatus Rottb.] zur Bereitung einer guten Holzkohle [Theophrast IV, 8, 5 / 13,3 ]während in Palästina die Wurzeln des Ginsterstrauchs [nicht Wacbholder] zur Verkohlung gebraucht wurden. [Psalm 120, 4, Riehm I, 519]

Nach griechischer etc. Anschanang gaben die dichtesten Hölzer die besten Kohlen, d. h. solche, welche bei äusserster Festigkeit grosse Hitz kraft haben und lange Feuer halten. Dahin gehörten Aria, Erdberbaum und Eiche [vermutlich quercus aegilops].

Unter diesen ist die Eichenholzkohle die schlechteste, weil sie trocken ist und im Brennen springt. [Theophrast V, 9, 1]

Zum Brande überhaupt ungeeignetes Holz, wie z. B. das der dickrindigen und der breitblättrigen Eiche, waren aber auch zum Verkohlen unbrauchbar.

Fast dasselbe galt von der Aspris-Eiche. Ihre Kohle, welche platzt und Funken wirft, war nur von den Schmieden, übrigens aber nicht zu verwenden. Die Schmiede zogen sie freilich den übrigen Holzkohlen in sofern vor, als sie, beim Aufhören des Blasens schnell verlöschend, sparsam brannten. [Theophrast III, 8, 5 und 7 ]

Altes Holz gab schlechte Kohlen, besonders Eichenholz. [Threophrast, V, 9, 1]

Junges, übrigens hellbrennendes Strauchwerk [δληματα] war, weil der feste Holzkörper mangelhaft vertreten, zur Verkohlung ungeeignet. [Threophrast, V, 9, 3]

Holz im besten Wachsthum, besonders aus dem Niederwalde, gab die besten Kohlen. Ferner bevorzugte man die Kohlen von Bäumen, welche sonnig, trocken und in nördlicher Richtung aufgewachsen waren. Schattiger, feuchter und südlicher Standort lieferte schlechte Kohlen, zumal von Hölzern, welche in der Feuchtigkeit im Schlüsse aufgewachsen waren. [Threophrast, V, 9, 2]

Nach ihrer verschiedenen Beschaffenheit machte man einen verschiedenen Gebrauch von den Kohlen. Zum ersten Sohmelzen des Erzes in den Silberhütten (die schon zu Strabo’s Zeiten verlassenen laurischen Silberhütten lagen auf der südöstlichen Spitze von Attika) bediente man sich der genannten besten Kohlen von der Aria, dem Erdbeerbaum etc [Threophrast, V, 9, 1].

In diesen Hütten, wie bei den Handwerkern, war auch die Kohle von der Pinie beliebt. In den Eisenhämmern zog man die weichen Kohlen vor, wie z. B. die Kohle vom Euböischen Nussbaum, wenn sie schon gebrannt war [Threophrast, V, 9, 2].

Die Schmiede ziehen die Fichtenkohle der Eichenkohle vor, obgleich jene schwächer ist, denn sie hält sich vor dem Gebläse besser und verlischt nicht so leicht. Ihre Flamme ist heller, wie überhaupt von lockeren, leichteren und trockenen Hölzern [Threophrast, V, 9, 3].

Zum Kohlenbrennen, resp. Schwelen suchte man gerades, glattes Holz aus, welches man nach der Zubereitung [τεμνειν, schneiden, abhauen, behauen] dicht auf einanderlegte. Dann wurde der Ofen [χαμινια]  [Threophrast, V, 9, 6] oder Meiler ringsum verklebt und hiemach angezündet. Dann stach man mit kleinen Spiessen hier und da hinein

Reiser [“virga” und Reisigbündel [“sarmenta”‘], wenn sie sonst nicht zu gebrauchen verfielen dem Aschebrande anf dem Saatfelde für dessen Düngung. Auf der Brandstelle wuchs der Mohn. [Cato 38]

Man scheint aber auch ganze Holzbestände und andere wachsende Pflanzen, wie es auch noch in neuerer Zeit auf den griechischen Insehi geschieht zur Düngung des Erdbodens abgebrannt und in Asche verwandelt zu haben [Theophrast III,9,6]

Dass man Asche zur Lauge und somit zur Wäsche, vielleicht und zum Bleichen gebrauchte, sei nebensächlich bemerkt. Scharfe Asche und Lauge lieferten milchsaftige Hölzer, femer der zahme nnd wilde Feigenbaum und vor allen das Mandelholz [Theophrast V, 9, 5 und 6].

 

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C. Baum-Saft-Nutzung.

Das beste Harz nahm man von der Terebinthe [pistacia terebinthus]. Man gewann zwar nicht viel von ihr, allein fest geworden war es von sehr lieblichem Geruch. Nach ihm kam das Tannen- und Pinienharz; das schwerste und pechartigste aber war das der an Kien so vorzüglich reichen Fichte.

Zu Pech [ρισσα] wurde das Baumharz mehrer Nadelholzarten [ενδαδον]^) verwendet, selbst von der Terebinthe, wo sie wie z. B. in Syrien in Menge vorkam. [Theophrast IV, 5, 3 und IX, 2,2]

Um Pech oder Theer zu schwelen, liess man in Macedonien einen runden Raum wie eine Tenne zurichten, doch so, dass er in der Mitte eine zu pflasternde Vertiefung behielt. Dann stellte man in Form von Scheiten oder Splittern [σχιξι] gespaltene kienige Stammabschnitte [χορμούσ] ähnlich wie in den Kohlenmeilern, nur gerade und möglichst didbt neben einander; darüber eine zweite ^)Sddcht, dann eine dritte n. s. w., je nachdem man Vorrath hatte

Ein recht grosser Meiler hatte 180 Ellen im Umfang und war fünfzig mehrentheils sechzig Ellen hoch. Hatte man sehr fettes Kienholz so baute man die Höhe fast dem Umfange gleich, wohl  bis an hundert Ellen. Nach Fertigstellung solchen Meilers erfolgte die Strauchwerk-[ΰλη]-Decke, auf die man Erde häufte. Dann folgte die Anzündung in dem gelassenen Durchzuge, welcher hinterher mit Reisigbündeln -[ΰλη] – verstopft und auch mit Erde bedeckt wurde .

Es kam nun darauf an, das Ausbrechen der Flammen durch Aufwerfen von Erde auf die Dampflöcher zu verhindern. Das Schwelen dauerte gewöhnlich 2 Tage und 2 Nächte; gemeinlich war vor Sonnenuntergang des zweiten Tages schon der Meiler [σύνδεσ] ausgebramit. Dann wurde geopfert, gefeiert und das gute Gerathen des Pechs von den Göttern erbeten.

Dieses lief inzwischen durch Kanäle ans der Mitte des Meilers in eine 16 Ellen seitwärts befindliche Abkohlungs-Grube. [Theophrast IX, 1, 2 und 3].

Ein sehr primitives Verfahren sollen die Syrer beobachtet haben. Sie brannten den einzelnen Baum, unzerlegt, mittelst eines künstlich vorgerichteten Werkzeuges von unten an. War die nächste Baumlange weggeschmolzen, so kam eine höhere, dann die dritte an die Reihe und zwar so lange, als noch auf Theer zu rechnen war, resp. derselbe lief [Theophrast IX, 3, 4].

Das Pech fand verschiedene Verwendung, namentlich beim Schiffsbau. Schon Noah’s Kasten soll damit verpicht gewesen sein. [Moses 6,14].

Pechfackeln dienten bei den Lustbarkeiten der Alten (Fackelreihen der Hellenen etc.) [Herodot VIII, 98].

Wurfspiesse, mit Werg umwunden und mit Pech bestrichen, wurden nach ihrer Anztindung von den Saguntem ao. 218 v. Chr. gegen die carthagischen Feinde geseblendert [Livius XXI, 6]

Mit Werg und Pech umwickelte Brandpfeile [malleoli] verwandte König Perseus im Jahre 171 v. Chr., um das römische Lager in Brand zu stecken [Livius XLII, 64].

Wir kommen zu anderen Pflanzensäften. Gummi lieferte den Ägyptern die Akantha. Aus Cedemäpfeln gepresst gewann man das Cedrn-Oel welches in der Heilkunde und beim Einbalsamiren der menschlichen Leichen Verwendung fand.

Zuckerhaltig kannte man mehre salsartige und andere (Gewächse. Dahin gehört das Manna des Orients. Aus den Zweigspitzen einer Tamariske soll das Manna anf den Boden träufeln, welches die Israeliten während ihres Zuges.

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