Opel Blitz Holzvergaser

K.H. Böckle/O.F. in der Zeitschrift des NVAC

Opel Blitz Holzvergaser, ein aufwendiges Provisorium

Sinsheim. Im 2.Weltkrieg war der Opel Blitz 3- oder 4 Tonner einer der meistgenutzten Lastwagen in der deutschen Wehrmacht. Von den 75.000 gebauten Fahrzeugen steht einer schon seit vielen Jahren im Auto & Technik Museum Sinsheim.

Im Verlaufe des Krieges, als Deutschlands Raffinerien zerbombt waren, und kaum noch Treibstoff aufzutreiben war, hatte man immer mehr Holzgas Anlagen in die Fahrzeuge eingebaut, um die Benzinknappheit zu überwinden. Auch der Sinsheimer Museums-Opel-Blitz wurde so ausgerüstet.

Zur Produktion dieses ausgereiften Fahrzeugs hatten die Opel Werke schon unter General Motors 1935 in Brandenburg das damals größte und modernste LKW Werk Europas in Betrieb genommen. 1944 sank das Werk durch Bomben in Schutt und Asche. Daimler Benz mußte unter Zwang den „Daimler-Benz-Opel-Nachbau“ in Mannheim herstellen.

Hier wurde auch das Einheitsfahrerhaus montiert. Wegen Metallknappheit wurden Holzfaserplatten verwendet. Trotzdem hat sich diese Konstruktion gut bewährt. Es stellte sich auch heraus, daß der Opel Blitz mit Holzgas gut zu fahren war.

Eine Holzgasanlage in Gang zu setzen war gar nicht so einfach. Zunächst mußte im Generator, der rechts hinter dem Führer-haus montiert war, ein Feuerchen mit Holzkohle entzündet werden. Wenn sich Glut gebildet hatte, wurde von oben Holz nachgeschüttet. Alle Laub- und Nadelhölzer waren geeignet, mußten aber trocken sein. Das hieß der Wassergehalt im Holz mußte unter 30 Prozent gesenkt werden. Ideal waren Holzstücke in der Größe einer Streichholzschachtel. Man rechnete 3,5 kg Tankholz für 1 kg Benzin. Torf und Braunkohle in brikettierter Form wurden wie Holz eingesetzt.

Der Holzgenerator Einbau in Kraftfahrzeuge war mit starkem Leistungsabfall verbunden. Im Durchschnitt betrug er 20 Prozent. Das Anlassen war eine Prozedur für sich. Durch das Anfachgebläse mit Elektro- oder Handkurbelantrieb wurde Frischluft in den Herd geblasen und durch das Zündloch gezündet. Nach 2 bis 5 Minuten wurde gestartet und der Motor mußte kurze Zeit mit niederer Drehzahl warm laufen. Während der Fahrt mußte der Fahrer immer ein Ohr für den Motor haben um Leistungsverluste etc. zu erkennen. Alle 90 Minuten Fahrzeit erforderten eine Kontrolle.

Die Bedienungsanleitung schrieb vor:

„Bei laufendem Motor ist der Einfülldeckel zu öffnen, die Holzfüllung mittels Stange nachzustoßen, Tankholz nachzufüllen und das Rüttelsieb zu betätigen. Es ist immer rechtzeitig nachzutanken, damit kein Holz in die Vergasungszone gelangt und das Holz Zeit zum Vortrocknen und Verschwelen hat“.

Hatte man nur feuchtes Holz zum Nachtanken mußte man es einige Minuten bei offenem Einfülldeckel und hochgeklemmter Rückschlagklappe durchbrennen lassen. Bei Betriebspausen bis zu fünf Stunden blieb das Glutbett erhalten. Das abendliche Abstellen erforderte wieder ein Reihe von Maßnahmen. Möglichst sollte die Anlage zu drei Viertel leer gefahren sein. Die Entlüftung am Generator wurde geöffnet, die Absperrklappe am Motor geschlossen und das Kondenswasser war abzulassen. Nach dem Erkalten wurde die Asche entfernt, das Holzkohlebett durchgeschüttelt und der Gaskühler mit fließendem Wasser durchgespült. Zusätzlich gab es Wartungsarbeiten nach vorgeschriebenen Kilometerzahlen.

Für jeden Kraftfahrer war der Betrieb eines Holzgas-Fahrzeuges ein aufwendiges Unternehmen.

Der Opel Blitz des Museums hat eine Holzgas-Anlage der Firma Imbert, die in Köln produzierte. Über dem Beifahrersitz ist ein herausgesägter Deckel. Im letzten Kriegsjahr mußte ein Beifahrer ständig Ausschau nach Jagdbombern halten und den Fahrer beim Auftauchen rechtzeitig warnen.

Das Fahrzeug im Auto & Technik Museum Sinsheim zeigt ein aufwendiges Provisorium. Ein teurer Notbehelf, der wegen fehlendem Kraftstoff nur im Krieg und in der Nachkriegszeit zu ver-treten war.

Nicht nur den Opel Blitz, sondern noch viele, viele weitere Exponate hält das Technik Museum in Sinsheim für den interessierten Besucher bereit. Ein Besuch lohnt also immer. Das Museum hat nach eigenen Angaben an 365 Tagen im Jahr von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 10 Euro. Gruppen erhalten Ermäßigung. Sinsheim befindet sich an der A6 zwischen Mannheim und Heilbronn, Abfahrt Steinfurt. Über das Museum kann man sich im Internet ausführlich informieren.

 

Adresse: www.technik-museum.de

K.H. Böckle/O.F.

 

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