Effektive Energieersparnis in der Binnenschiffahrt

HANSA Deutsche Schiffahrtszeitschrift. Nr. 8 20. Februar 1943 Seite 185

Schiffbau und Schiffsmaschinenbau.

In den verflossenen 25 Jahren hat sich in der Binnenschiffahrt auch der hochgespannte Dampf im Schiffsantrieb eingeführt. Die früher verwendeten und veralteten Dampfschlepper genügten in keiner Weise mehr den Anforderungen die man an ein neuzeitliches Binnenwasserfahrzeug heute stellen muß. Da die Schiffs-Niederdruck-Dampf anlagen mit handgefeuerten Kesseln aber nicht mehr zeitgemäß sind fordert auch die Binnenschiffahrt heute Hochleistungskessel und schnellaufende Antriebsmaschinen. Die Anwendung hohen Dampfdruckes und hoher Ueberhitzungstemperaturen im Schiffsbetrieb ermöglichen geringere Kohlenkosten und erzeugen vor allen Dingen den Dampf viel wirtschaftlicher als früher.

Vergleicht man nun die Forderungen der Binnenschifffahrt mit den Vorzügen der Eigenschaften des Dieselmotors so muß man zu der Erkenntnis kommen daß gerade der Dieselmotor diejenigen Eigenschaften besitzt die in der Binnenschiffahrt von einer Antriebsart verlangt werden. Die Anlagekosten des Dieselantriebes stellen sich verhältnismäßig niedrig weil die Maschinen-Abmessungen sehr beschränkt sind. Die Betriebssicherheit eines Dieselschiffes ist einwandfrei und die Betriebsbereitschaft so groß daß der Dieselschlepper schnell in Fahrt gesetzt werden kann.

Es ist kein Anheizen, kein Feuerputzen, kein Kesselreinigen und keine Kesselrevision nötig. Auch die Betriebsstoff-Uebernahme ist denkbar einfach und der Wartunugsbedarf der gesamten maschinellen Anlage sehr gering.

Weiter hat das Dieselschiff den Vorzug daß es von Hand leicht zu steuern ist. Der Schiffsführer kann vom Ruderstand aus die Drehzahlen des Motors regeln. Geradä für kleine Güterschiffe und Schlepper ist der Dieselmotor infolge seiner einfachen und leichten Bedienung seines geringen Betriebsgewichtes und des niedrigen Platzbedarfs gut geeignet. Trotz aller dieser Vorteile müssen wir uns doch damit abfinden daß heute aus kriegswirtschaftlichen Gründen auch der Dieselmotor vorläufig aus der Schiff fahrt herausgenommen werden muß denn der zum Betrieb desselben notwendige flüssige Treibstoff wird für die Kriegsverwendung sehr dringend benötigt.

Deutz hat sich nun schon seit längerer Zeit mit den Umstellungsmöglichkeiten der im Binnenschiffsbetrieb verwendeten Dieselmotoren beschäftigt und hat diese Frage gelöst. Die verantwortlichen Reichsstellen haben sich bekanntlich nunmehr auch entschlossen zwecks Einsparung von Dieselöl die Binnenwasser-Dieselschiffe in größerem Umfange auf Generatorgas umzustellen und dabei das Zündstrahlverfahren zu verwenden. Bei Zuhilfenahme dieses Verfahrens wird durch Erzeugung von Generatorgas aus Anthrazit, Koks, Schwelkoks usw. eine wesentliche Menge von Dieseltreibstoff eingespart. Die Umbauarbeiteii sind verhältnismäßig einfach ein weiterer Vorzug dieses Verfahrens liegt darin daß ein Notbetrieb auch mit Dieselkraftstoff allein möglich ist.

Die Kraftanlage eines Gasschleppers ist natürlich in der Anschaffung teurer als die Maschinenanlage eines gleich starken Dieselschleppers.

Wenn aber der Gasschlepper trotzdem noch wirtschaftlich gesehen günstig abschneidet dann liegt dies allein an den niedrigen Brennstoffkosten. Die Höhe derselben ist natürlich von der Art des zu vergasenden Brennstoffes abhängig. Vergleicht man nun die drei verschiedenen Antriebsarten miteinander nämlich den Gasschlepper den Niederdruck-Dampfschlepper und den Dieselschlepper so kommt man zu folgendem Resultat:

Der Dieselmotor gestattet die kleinsten leichtesten und flachgehendsten Schiffe bei gegebener Schleppleistung zu bauen. Dadurch werden niedrige Baukostenerzielt die im Endergebnis die hohen Brennstoffkosten fast ausgleichen. Mit dem Gasschlepper lassen sich die günstigsten Gesamtbetriebskosten erzielen trotz der schwereren und teureren Bauweise. Schwierig erscheint liier nur die durch den Gaserzeuger bedingte außer gewöhnliche Bauhöhe des Gaserzeuger-Raumes. Niederdruck-Dampfschlepper lassen sich wegen des hohen Betriebsgewichtes der Dampfmaschine und des Dampfkesesls nicht mit dem gleichen Tiefgang und nur zu einem Preise bauen der dem des Gasschleppers mindestens gleichkommt. Da aber seine Brennstoff- und Bedienungskosten höher als beim Diesel- bzw. Gasantrieb sind ist trotz billigerer Brennstoffpreise eine Wirtschaftlichkeit heute doch nicht zu erreichen. Eine Möglichkeit bietet nur die Verwendung des Hochdruckdampfes worüber Resultate zur Zeit noch nicht vorliegen.

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