Reichert Retorte

Die als »Reichert Retorte« bekannte Einrichtung zur Verkohlung von Holz, die von Theophil Reichert in Brilon-Wald entwickelt wurde, wird zwar in der Literatur gelegentlich erwähnt, aber eine genaue Beschreibung der Funktion und Betriebsergebnisse sind kaum zu finden. Noch seltener sind Angaben zur Geschichte und zum Erfinder.

Die Patentschrift EP 0 136 255 aus dem Jahr 1984 schreibt zum Stand der Technik: ….. sei des weiteren auf das sogenannte Reichelt-Spülgasverfahren (DE-PS 666 387, 712 552, 713 290 und 744 135) verwiesen.

Das sind durchweg  Patente mit Theophil Reichert in Brilon-Wald als Erfinder und »Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler in Frankfurt/Main« (Degussa) als Anmelder.

Liste aller Patente von Reichert mit Beschreibung und Ansprüchen (DE und US).

Die umfangreichste Beschreibung mit Ergebnissen findet man in der letzten Anmeldung US 2.202.231 vom 29. Mai 1940, die aber nicht mehr erteilt wurde.

In einem Buch der FAO aus dem Jahr 1985 über »Industrial charcoal making« (Forestry Papers 63) gibt es einen Abschnitt (3.3 The reichert retort system) dazu mit einer Skizze und einer Erklärung der Funktionsweise.

Erklärung der Bestandteile

Es heißt, daß dieser Typ von Retorte seit mehr als 40 Jahren kommerziell eingesetzt wird. Er bietet eine Mechanisierung der Stoffströme und automatische Kontrolle. Allerdings seien die Investitionen dafür hoch und nicht so wirtschaftlich wie andere, im folgenden beschriebenen Systeme (Lambiotte SIFIC, Drehrohr, Fließbett).

Eine der seltenen Abbildungen findet man in einem Beitrag in der Zeitschrift »Nachrichten aus der Chemie« von 2013, bei dem es aber nur am Rande um diese relativ spezielle und späte Technologie geht.

Die Firma »proFagus« in Bodenfelde, die einst auch zu Degussa gehört hat, schreibt lediglich von Retorten, die 25 Tonnen fassen. Dabei entstehen aus 3 Tonnen unbehandeltes Buchenholz :
– 1 Tonne Grill-Holzkohle und
– 2 Tonnen Nebenprodukten (Säuren, Teere)

In der Masterarbeit der Montanuniversität Leoben »Holzkohleherstellung sowie deren Charakterisierung hinsichtlich Ersatz-reduktionsmittel in metallurgischen Prozessen« 2011 von Gernot Rösler wird die Reichert Retorte unter »5.3.3 Spülgasverfahren« kurz erwähnt:

Das Spülgasverfahren, dessen Verfahrensschema in Abbildung 5-8 zu sehen ist, arbeitet ebenfalls kontinuierlich. Hierbei wird das bei der Pyrolyse hergestellte Gas, bei dem die organischen Bestandteile zur Inertisierung des Gases entfernt werden, zur Verkokung herangezogen. Oftmals arbeiten mehrere Retorten im Verbund, in einem Batch-Prozess, um eine kontinuierliche Versorgung mit Pyrolysegas gleicher Qualität zu erreichen. Die in Abbildung 5-8 dargestellte Verkokungsanlage wird auch als Reichert-Retorte bezeichnet [22].

Die dort verwendete Skizze taucht in verschiedenen Veröffentlichungen im 20. Jahrhundert auf.  Das Orginal stammt von Degussa und wurde noch 1981 in dem Vortrag von Brocksiepe bei der KFA Jülich verwendet.

Abbildung 5-8: Großindustrielle Anlage zur Herstellung von Holzkohle nach dem Spülgasverfahren (a Retorte, b Teerwäscher, c Kondensator, d „Skrubber“ (Füllkörperkolonne), e Gebläse für Schwelbzw. Spülgas, f Gaserhitzer, g Brenner, h Gebläse für Luft, i Sammelbehälter für Teer,
k Sammelbehäter für Waschöl, m Pumpe für Waschöl, n Kühlbunker)

Als Quelle wird angegeben: Osteroth, D., Biomasse – Rückkehr zum ökologischen Gleichgewicht, Springer Verlag, Berlin – Heidelberg, 1992

Dort wird das Verfahren von Seite 99 – 102 erwähnt, wobei es heißt: Heutige Retorten haben 100 m³ Inhalt. (Vorschau GoogleBooks)

Dort ist auch als Bild 26 zu sehen, was in dem Beitrag in den »Nachrichten aus der Chemie« von 2013 verwendet wurde.

Es kann angenommen werden, daß das Verfahren analog zu den Erfahrungen mit Braunkohle entwickelt wurde.

In der Zeitschrift Stahl und Eisen von Nr. 34 von 1927 auf Seite 1414:

Schwelerei.

F. Seidenschnur: Leuchtgas aus Braunkohle nach Spülgasverfahren  Vorteile der Spülgasverfahren gegenüber der Außenbeheizung. Ver­schwelung nach Limberg, Lurgi und Seidenschnur. Vergasung des anfallenden Glühkokses. Laboratoriums ­und Großversuche über Menge und Zusammensetzung der Schwelgase bei stufenweisem Abbau nach dem Frei­berger (Seidenschnur-) Verfahren. Erörterung über Reinigung des Gases. [Gas Wasserfach 70 (1927) Nr. 30, S. 728/36.]

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  • Anmelder DEGUSSA
  • Erfinder REICHERT THEOPHIL 
  • Klassifikationen IPCC10B53/02;
    CPC C10B53/02 (EP); Y02E50/10 (EP);
    Prioritäten DED0074846D·1937-03-14
    Anmeldung DED0074846D·1937-03-14
  • Veröffentlichung DE744135C·1944-01-10

[0001] Holzverkohlungsretorte Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf eine besondere Gestaltung von Ofen, Retorten o. dgl., welche zur Verkohlung von Holz oder ähnlichem Mgterial, wie Torf, Lignin usw., dienen.

[0002] Das Beschicken und Entleeren von Holzv erkohlungsretorten bereitet wesentlich größere Schwierigkeiten, als dies bei der Beschickung mit leicht schüttbarem Gut, wie z. B. Stein- oder Braunkohle, der Fall ist. Aus diesem Grunde hat man bisher in der Technik die Beschickung der Retorte mit Holz praktisch ausschließlich vermittels eisener Körbe oder eisener Wagen vorgenommen. Diese Arbeitsweise bedingt jedoch einen mitunter nicht unerheblichen Materialverschleiß. Vor allem aber kommt die Beschickung mit Wagen dann nicht in Frage, wenn die Verkohlung unter Zuhilfenahme von Spülgasen durchgeführt werden soll; denn in diesem Fall ist es wesentlich, daß die Spülgase zwangsweise die Holzbeschickung durchsetzen, und .dies ist nur möglich, wenn das eingebrachte Holz die Querschnitte der Retorte vollständig ausfüllt.

[0003] Versucht man nun aber etwa stehende, zylinderförmige Verkohlungsretorten, deren Oberteil mit einer ebenen oder gewölbten Decke abgeschlossen ist, durch Einbringen von Holz zu beschicken, so zeigt sich, daß vermöge der Sperrigkeit und mangelhaften Schüttfähigkeit des Holzes die Retorte nicht bis zum ganzen Querschnitt ausgefüllt wird. Vielmehr bleiben, besonders an der Peripherie der Retorte, leere, von Holz nicht ausgefüllte Räume, welche sich besonders dann verhängnisvoll auswirken, wenn man die Verkohlung ausschließlich vermittels geheizter Gase bewirkt, welche durch das zu verkohlende Gut geschickt werden. Ein nachträgliches Ausgleichen des eingebrachten Holzes innerhalb der Retorte wäre sehr umständlich und verbietet sich schon wegen der Sperrigkeit und der ungenügenden Beweglichkeit des gehäuften Holzes.

[0004] Es wurde nun gefunden, daß man alle diese Mißstände in höchst einfacher und zuverlässiger Weise vermeiden kann, wenn man bei der Verwendung von Spülgasen als ausschließliche Heizung den Oberteil der stehenden: Retorte zum Verkohlen von Holz zwecks gleichmäßiger und vollständiger Ausfüllung mit sperrigem Holz in der Weise nach oben konisch beschickt, daß er mit der Waagerechten einen Basiswinkel von mindestens 50°, vorteilhaft 55 bis 65°, bildet. Beschickt man derartig ausgebildete Retorten mit Holz oder ähnlichem Material, so wird die Retorte gleichmäßig und vollständig mit dem Verkohlungsmaterial ausgefüllt. Das konisch ausgebildete Oberteil im Sinne der vorliegenden Erfindung kann speziell in verschiedener Gestaltung zur Anwendung kommen. So kann das Oberteil in Form eines Kegels, einer Pyramide oder auch in Form gewölbter Flächen, wie z. B. Kugelsegment, Paraboloid, ausgebildet werden. Auch kann das Oberteil beispielsweise zum wesentlichen Teil die Gestaltung eines Kegelstumpfes besitzen, dessen oberes Ende jedoch stärker, etwa kugelförmig, eingehalten ist.

[0005] In der Zeichnung ist das Wesen der vorliegenden Erfindung schematisch dargestellt. Darin bezeichnet die Abb. 1 eine Verkohlungsretorte, deren Oberteil konisch oder pyramidenförmig ausgebildet ist. Dabei bildet der Oberteil mit der Waagerechten einen Winkel von 60°. Abb. a stellt eine Verkohlungsretorte dar, deren Oberteil als Kegelstumpf ausgebildet ist. Es ist zwar schon eine Holzverkohlungsretorte bekannt, bei der zwecks Beschickung mit Holz der konisch ausgebildete Deckel abgenommen und nach erfolgter Beschickung wieder aufgesetzt werden kann; hierbei tritt also gerade die erfindungsgemäße Wirkung durch die entsprechende Ausgestaltung der Retorte während der Beschickung nicht auf.

[0006] Weiterhin sind Retorten bekannt, die zwar ein feststehendes konisches Oberteil besitzen; sie werden jedoch nicht im Sinne der vorliegenden Erfindung mit Brennstoff gefüllt, sondern die Beschickung dieser Retorten wird nachträglich eingeebnet. Dabei ist in keinem Falle der konische Oberteil der Retorte mit Brennstoffgut gefüllt, während erfindungsgemäß auch der konische Oberteil mit sperrigem Holz ausgestattet ist.

DE DE576621C Theophil Reichert Degussa

Priority 1931-01-15 • Filed 1931-01-15 • Granted 1933-05-12 • Published 1933-05-12

Priority 1931-01-15 • Filed 1931-01-15 • Granted 1933-05-12 • Published 1933-05-12

 

Verfahren zum trockenen Destillieren organischer Stoffe

1. PATENTANSPRUCH: Verfahren zum trockenen Destillieren organischer Stoffe pflanzlichen Ursprungs, wie Holz, Lignin oder Torf, in Öfen oder Retorten in absatzweisem Betrieb, dadurch gekennzeichnet, daß die Beheizung des Gutes sowie die Führung der dabei entwickelten Destillationsgase ausschließlich in Richtung von oben nach unten erfolgt und daß gleichzeitig ein Teil der gebildeten Destillationsgase nach Abtrennung von Destillationserzeugnissen in der gleichen Richtung und im Kreislauf durch das zu verarbeitende Gut geführt wird, wobei die umgesetzte Gasmenge so zu bemessen ist, daß, unter Vermeidung von örtlichen Überhitzungen, die Temperaturdifferenzen im Innern der Retorten klein gehalten werden.

Priority 1932-12-25 • Filed 1932-12-25 • Granted 1938-10-18 • Published 1938-10-18

 

Verfahren zum Verkohlen von Holz

 

Priority 1937-06-24 • Filed 1937-06-24 • Granted 1941-10-21 • Published 1941-10-21

 

Verfahren und Vorrichtung zur Bestimmung der Wertzahlen fuer Derbgehalt, …

 

Priority 1950-04-22 • Filed 1950-04-22 • Granted 1952-05-02 • Published 1952-05-02

US 2.160.341 A

Process for the carbonization of organic cellulosic materials as of vegetable origin

Application December 15, 1936, Serial No. 6,034 in Germany December 24, 193

Priority 1932-12-24 • Filed 1936-12-15 • Granted 1939-05-30 • Published 1939-05-30

I claim:

L A process for the dry distillation of organic cellulosic distillable material of vegetable origin, In a retort heated Internally only, which comprises supplying a hot gas at the top of a bed of such material of substantial depth within said retort to distill the material destructively while avoiding decomposition of the volatile substances evolved from the material’by heating, passing said gas while still hot downwardly through the material in the retort at a rate of between 0.1 and 3 cubic meters per hour per kilogram of the material to be carbonized, the gas being fed at such a velocity and in such a quantity that the carbonization of the material proceeds gradually downwardly, that the temperature difference throughout. the mass is maintained low, and that condensation of the evolved volatile substances in the lower part of the material is substantially prevented, and recovering distiillation products from such gas.

2. A process for the’dry distillation of organic cellulosic distillable material of vegetable origin. In a retort heated internally only, which comprises supplying a hot gas at the top of a bed of such material of substantial depth within said retort, to. distill the material destructively while avoiding decomposition of the volatile substances evolved from. the material by heating, passing said gas.while still hot. downwerdly through tile material in the retort at a rate of between I and 1.8 cubic meters per hour per kilogram of the material to be carbonized, the gas being fed at such a velocity and in such a quantity that the carbonization of the material proceeds 76 3o:i gradually downwardly, that the temperature difference throughout the masses maintained low, and that condensation of the evolved volatile substances in the lower part of the material is substantially prevented, and recovering distillation products from such gas..,

3. A Process for the dry distillation of organic cellulosic distillable material of vegetable origin, In a retort heated Internally only, which comprises, supplying a hot gas at the top of a bed of such material of substantial depth within said retort to distill the material destructively while avoiding decomposition of the volatile substances evolved from the material by heating, passing said gas while still hot downwardly through the material in the retort at a rate of between 0.1 and 3 cubic meters. per hour per kilogram of the material to be carbonized, the gas being fed at such a velocity and in such a quantity that the carbonization of the material Proceeds gradually downwardly, that the – temperature difference throughout the mass is maintained low, and that condensation of the evolved volatile substances in the lower part of the material is substantially prevented, recovering distillation products from such gas, and returning at least a part of the gas from which distillation products have been recovered to the top of the retort.

4. A process for the dry distillation of organic cellulosic distillable material of vegetable origin, In a retort heated internally only, which comprises supplying a hot gas to the top of a bed of such material of substantial depth within said retort to distill the material destructivily while avoiding decomposition of the volatile substances evolved from the material by heating, passing said gas, while still hot downwardly through the material in the retort at a ruts of between 0.1 and 3 cubic meters per hour par k1lovant of the %160,841 material to be carbonized, the gas being fed at such a velocity and in such a quantity. that the carbonization of the material proceeds gradually downwardly, that the temperature difference throughout the mass is maintained low, and that condensation of the evolved v6latile substances in the lower part of the material is substantially prevented, removing condensible constituents from such gas, heating at least a part of.the gas from which the condensible constituents have been removed, and returning such heated. gas to the tojp of the retort.

5. A process for the dry distillation of organic cellulosic distillable material of vegetable origin, in a retort heated Internally only, which comprising supplying a hot gas to the top of a bed of such material of substantial depth within said retort to distill the material destructively while avoiding decomposition of the volatile substances evolved from the material heating, passing said gas while still hot downwardly through the material in the retort at a rate of between 0.1 and 3 cubic meters per hour per kilogram, of the material to be carbonized. the gas being fed at such a velocity and in such a quantity that the carbonization of the material proceeds gradually downwardly, that the temperature difference throughout the Ban Is maintained low, and that condensation of, the evolved volatile substances In the lower put of the material is substantially prevented, removW condensible constituents – from such gas, burning a portion of the gas from which condensible constituents have been removed and utilizing the heat there of to ptehest a second portion of the gas, and returning such heated portion. to the top of the retort.

A method of carbonising wood

DE DE713290C Theophil Reichert Degussa

Priority 1937-07-03 • Filed 1937-07-03 • Granted 1941-11-05 • Published 1941-11-05

 

Holzverkohlungsretorte

 

Priority 1937-03-14 • Filed 1937-03-14 • Granted 1944-01-10 • Published 1944-01-10

Process and means for determining the true specific gravity of wood
 

Priority 1951-04-19 • Filed 1951-04-19 • Granted 1954-02-09 • Published 1954-02-09

6 to oven drying or other drying process. specific weight is meant the weight of one cubic unit volume of absolutely dry solid timber.

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