Skepsis zu Biokohle bei der BUND-Spitze, nicht bei der Basis

Der Umweltverband BUND hat eine Stellungnahme zu Biokohle in der Landwirtschaft veröffentlicht, die auf Widerspruch bei den Praktikern stößt

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gehört mit mehr als einer halben Million Mitgliedern zu den größten Umweltverbänden in Deutschland.  Der Vorsitzende Hubert Weiger sagte bei der Vorstellung des “BUND-Jahresberichts 2014” zur Arbeit des Verbands.

“Nicht nur in Deutschland, auch im internationalen Netzwerk von Umweltverbänden Friends of the Earth gestalten wir die Klima-, Agrar-, Verkehrs- und Energiepolitik mit. Neben unserer Arbeit zu klassischen Naturschutzthemen wie die Bewahrung der Artenvielfalt bringen wir uns immer wieder in aktuelle politische Debatten ein. Damit leisten unsere vielen Tausend ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierten Jahr für Jahr ihren Beitrag zur Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft, für die Weiterentwicklung des Rechtsstaats und der Demokratie”

Die Arbeit des BUND stützt sich in erheblichem Umfang auf Regional- und Ortsgruppen, die ehrenamtlich tätig sind, wie im Weserbergland. Die Gruppe Pyrmont-Hameln beschäftigt sich seit Jahren mit theoretisch und praktisch Terra Preta, wie auch an einem speziellen Bereich der Web-Site zu sehen ist. Als klimapolitischer Sprecher hat sich Rainer Sagawe unter dem Gesichtspunkt des regionalen Stoffstrommanagements dafür stark gemacht. Die vielfältigen und vernetzten Initiativen darüberhinaus sind unter Weserbergland im Wandel im Juni 2015 zusammengestellt worden.

In einem Informationsblatt schreibt er:

Es ergeben sich interessante Optionen, die Wasserver- und entsorgung mit der Erzeugung von Energiepflanzen und Lebensmitteln wieder stärker mit den wachsenden urbanen Strukturen zu verzahnen…!

Rainer Sagawe läßt es nicht bei der Theorie. Er hat im  Bildungszentrum Holzen/Ith, Eschershausen im Laufe von 4 Monaten im Frühjahr /Sommer 2013 in vier Workshops mit Bundesfreiwilligendienstlern aus magerem Boden mit Terra Preta aus frischem Rasenschnitt, Pferdedung und Holzkohle einen blühenden Garten geschaffen.

Ziemlich vergrätzt sind die Terra preta Basisaktivisten über eine Stellungnahme des Verbandsspitze in Form des AK Bodenschutz/Altlasten, die 2015 eine 18-seitige »BUND-Einschätzung der Umweltrelevanz« vorgelegt hat. Diese mündet in der These, daß Terra preta überhaupt nicht notwendig sei, weil die konventionelle Mist- und Kompostwirtschaft im Kontext einer biologischen Bodenbewirtschaftung das selbe leisten könne:

Eine Bewertung muss vor dem oben genannten Hintergrund erfolgen, denn die mit dem Terra-Preta-Einsatz beabsichtigte Erhöhung des Humusgehalteskann auch mittels Mist- und Komposteinsatz, intensiviertem Zwischenfruchtanbau und über ausgewogene Fruchtfolgen (Humusmehrer im Wechsel mit Humuszehrern) erreicht werden. Dies ist einer der Kernpunkte des Ökolandbaus, wird aber in der intensiven Landwirtschaft stark vernachlässigt.

Die Autoren haben sich redlich bemüht alle nur denkbaren Probleme und Gefahren aufzulisten und plädieren für eine ausgesprochen restriktive Handhabung.  Vieles davon (keine Verwendung von kontaminierten Einsatzgut, Überwachung potenzieller Schadstoffe) ist auch in der Biokohle-Szene völlig unumstritten und manches ist nur aufgrund der schlechten Erfahrungen in der Abfallwirtschaft zu verstehen.

In einem Offenen Brief an den BUND Vorsitzende Hubert Weiger vom Juli 2015, der von Rainer Sagawe (Pyrmont-Hameln) und Gerd Wiesmeier (Gießen) unterschrieben ist, wird bezweifelt, daß die BUND-Einschätzung wirklich den neuesten Stand der Forschung berücksichtigt hat und auf die Ergebnisse des TerraBoGa-Abschlußkonferenz in Berlin verwiesen. Zusammenfassend würden die  bis dato vorliegenden Erkenntnisse diese Schlussfolgerungen: erlauben:

  1. Die Nahrungsmittelproduktion kann mit Terra Preta global erheblich gesteigert werden: Kreisläufe schließend, ohne Gentechnik und Chemie und das Bodenleben intensivierend (Scheub, Krause, Schmidt, Kammann).
  2. Es ergeben sich erhebliche Chancen für den Klimaschutz – zum einen wird durch die in den Boden gebrachte belebte und gesättigte Pflanzenkohle dem Stoffkreislauf Kohlenstoff auf 1000 und mehr Jahre entzogen. Zudem vermindert die Bildung eines Terra-Preta-Bodens die Ausgasung von Lachgas und Methan um bis zu 60 % (Schmidt, Kammann).
  3. In Notsituationen (Flüchtlingslager, Erbeben, andere Naturkatastrophen) gerade in Ländern der sogen. dritten Welt kann durch mit Pflanzenkohle betriebenen Toiletten das Sanitärproblem gelöst werden (Scheub, Schmidt,
    Nepal). In einer Kaskaden-Nutzung kann mit Holzgas gekocht und Wasser abgekocht werden, die dabei entstehende Holzkohle kann zu Zwecken des Filterns von Wasser eingesetzt werden und anschließend in Terra Preta Toiletten Verwendung finden. In Deutschland wurden z.B. beim letzten Kirchentag in Stuttgart die ersten Terra Preta Toiletten eingerichtet.

Der offene Brief mündet in der Forderung an die BUND-Spitze

Die Stellungnahme des AK Bodenschutz zu Terra Preta ist zurückzuziehen und die
Erkenntnisse der zu Terra Preta praktisch Forschenden und die Ergebnisse der Terra Preta Praktiker sind angemessen zu würdigen.

Stattdessen sei zu fordern:

Der wissenschaftliche Beirat und der AK Bodenschutz des BUND nehmen Kontakt zur den Wissenschaftlern und Praktikern der Terra-Preta-Forschung und -Anwendung auf, um den sich abzeichnenden globalen Paradigmenwechsel zu erkennen und zu fördern anstatt im Elfenbeinturm zu verkümmern!

Es wird sich zeigen, wer sich am Ende durchsetzen wird. Es ist bekannt, daß viele BUND-Mitglieder, die sich mit Gartenbau, ökologischer Landwirtschaft und Klimaschutz beschäftigen, fasziniert von den Möglichkeiten der Terra preta sind und Biokohle im eigenen Umfeld einsetzen.

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