Kulturerbe Köhlerei

Erfolgreich war auch der Europäische Kohlerverein e.V. 2014 mit seinem Vorschlag die Köhlerei und Teerschwelerei als immaterielles Kulturerbe von der UNESCO anerkennen zu lassen. Der Wortlaut der Bewerbung findet sich im Köhlerboten Nr. 2013. Die Übergabe der Urkunde findet am 16. März 2015 in Berlin statt.

Die Deutsche Unesco-Kommission schreibt in einer Mitteilung:

Die Verkohlung von Holz ist eine der ältesten Handwerkstechniken der Menschheit. Heute findet man weltweit alle Stufen seiner technischen Entwicklung nebeneinander vor: vom mehrere Tausend Jahre alten Prinzip des Kohlenmeilers im brasilianischen Urwald oder im deutschen Erzgebirge bis hin zur modernen Syntheseanlage für Biosprit in den Industriestaaten. Das eigentliche technische Verfahren – die thermische Umwandlung von Biomasse, die trockene Destillation oder Pyrolyse, ist gleich geblieben. Dabei werden Brennstoffe erzeugt, die hauptsächlich von fester (Holzkohle), manchmal aber auch flüssiger (Holzteer) oder gasförmiger Konsistenz (Holzgas) sind. Bei diesem Prozess wird die in der Biomasse gespeicherte Sonnenenergie zum Zwecke der Energiegewinnung wieder freigesetzt. Heute beschäftigt sich die internationale Wissenschaft, unter Nutzung Jahrhunderte alter Erkenntnisse u.a. des Köhlerhandwerks, damit, die Energieprobleme der Menschheit zu lösen.

In Ländern, in denen viel Erz geschmolzen und Eisen verarbeitet wurde, wurde viel Holzkohle erzeugt. Nur mit dieser konnten die notwendigen Temperaturen erzeugt werden. Die seefahrenden Länder brauchten riesige Mengen an Holzteer und -pech, denn nur damit konnte man die Schiffe seefest machen und andere Dinge konservieren. Ohne Holzkohle existierte kein Schwarzpulver und ohne Aktivkohle kein sauberes Wasser. Anfang des vergangenen Jahrhunderts bekam auch Holzgas eine immer größer werdende Bedeutung. So wurden Motoren konstruiert, die statt durch Benzin mit Holz betrieben wurden. Selbst in der Volksheilkunde spielten Holzkohle und Holzteer eine wesentliche Rolle.

Der Europäische Köhlerverein (EKV) setzt sich für den Erhalt des Handwerks und die Bewahrung der alten Technologien ein, damit auch nachfolgende Generationen in der Lage sind, das Handwerk zu beherrschen und weiterzugeben. Die ca. 1.600 Vereinsmitglieder in neun europäischen Ländern halten vor Ort in den verschiedenen Regionen das traditionelle Handwerk lebendig. Sie legen besonderen Wert auf die Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen in die Traditionspflege. Bei Veranstaltungen gibt es in der Regel besondere Kinderprogramme, zum Beispiel Herstellung von Zeichenkohle mit anschließenden Malwettbewerben und Ausstellungen, gemeinsamer Aufbau der Meiler und Teerschwelöfen sowie das Erlernen der notwendigen Techniken und handwerklichen Fertigkeiten. Altersgemäße Erlebnisführungen werden für Vorschul- und Schulkinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren angeboten.

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