Landwirtschaft, die dem Klima hilft

Franz Leutner in Tagwerk-Zeitung, Nr. 121, Winter 2013, Seite 11/12

Titelblatt Tagwerk Zeitung Winter 2013

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Klimagase sinnvoll speichern

Dort wo Getreide und Futter wächst, auf Äckern und Wiesen, werden künftig auch Bäume und Sträucher stehen. Landwirtschaft der Zukunft verbindet die Ackerwirtschaft und Tierhaltung mit der Forstwirtschaft. Diese Landnutzung ist nicht neu, sondern über Jahrhunderte bewährt. Neu ist die Idee einer systematischen Vernetzung dieser Wirtschaftsformen, um über die Produktionszwecke hinaus eine klimaschützende und weitgehend energieautarke Landwirtschaft zu entwikkeln.

Diese Landwirtschaft ist eine konsequente Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus und unvereinbar mit der vorherrschenden Intensivproduktion. In der konventionellen Landwirtschaft stören Bäume und Sträucher die maschinengerechte Bewirtschaftung. Sie konkurrieren mit den Kulturpflanzen um Platz, Dünger,
Luft und Wasser und widersprechen daher dem betriebswirtschaftlichen Kalkül.

Der ökologische Landbau setzt dagegen auf das Zusammenwirken der Pflanzen mit den Bodenorganismen. Produktionsgrundlage ist nicht der Kunstdünger, sondern allein der Boden, der je nach Humusgehalt das über das Blattgrün aufgenommene CO2 in großen Mengen als Kohlenstoff speichern kann. Ein gutes Pflanzen-Boden-Management entlastet deshalb die Atmosphäre vom CO2-Ausstoß und steigert zugleich die Ertragskraft. Die Idee, wieder Baumstreifen oder Baumgruppen in die Wiesen und Felder zu pflanzen, verbindet das ökologisch Wichtige mit dem ökonomisch Richtigen.

Ackerbau, kombiniert mit Forstwirtschaft. So schaut klimaschützende Landwirtschaft aus. Bild: Christian Dupraz, SAFE-Projekt

Ackerbau, kombiniert mit Forstwirtschaft. So schaut klimaschützende Landwirtschaft aus.
Bild: Christian Dupraz, SAFE-Projekt

TAGWERK-Bauer Josef Braun, der auf seinen Feldern über zehntausend Bäume gepflanzt hat: »Bäume wie z.B. Pappeln holen Nährstoffe herauf und reichern sie durch die Blätter, die im Herbst fallen, im Oberboden an. Dadurch bildet sich wertvoller Humus. Wenn wir 4 % mehr Humus weltweit auf den Äckern aufbauen, könnten pro Hektar 400 Tonnen CO2 gespeichert werden. Hochgerechnet wäre das soviel, wie seit der Industrialisierung CO2 zusätzlich in die Atmosphäre entlassen wurde.«

Hecken, Baumstreifen oder Bauminseln verbessern nicht nur die Speicherkapazität und den Humusaufbau, sondern sind auch ein willkommener Wind-, Frost- und Erosionsschutz. Der Artenreichtum von Hecken und Feldgehölzen ist beeindruckend. Die Früchte von Obst- und Nussbäumen sind ein zusätzliche Gewinn und eine vielfältig strukturierte Landschaft ist ein nicht zu unterschätzendes Erlebnis für Auge und Psyche.

Natürlich müssen die Baumreihen und Hecken regelmäßig „geerntet“ werden. Sie werden alle sieben bis zehn Jahre sozusagen „auf Stock gesetzt“, und zwar immer abschnittsweise, so dass die vielfältigen Lebensräume der Heckenbewohner nicht unüberwindbar auseinandergerissen werden. Die anfallenden Hackschnitzel sind neben Sonnenkollektoren die Grundlage der hofeigenen Energieerzeugung.

Plädoyer für mehr Kohle.

Optimal in dieses System passt die Holzvergasung bzw. eine Pyrolyseanlage. Das durch die Verschwelung entstehende Brenngas wird für die Stromerzeugung verbraucht und die entstehende Holzkohle wieder in den Boden eingebracht. Hier wirkt die Holzkohle als Bodenlockerer und als Speicher für Ammoniak und Kohlenstoff. Aufgrund der hohen Porosität kann sie bis zur fünffachen Menge ihres Eigengewichtes an Wasser und darin gelöste Nährstoffe aufnehmen. Die Holzkohle hält die Nährstoffe fest, verhindert deren Auswaschung ins Grundwasser und begünstigt die Lebensräume der Bodenorganismen. Auf diese Weise wird der Humusaufbau sowie eine gleichmäßige Wasserversorgung für die Pflanzen gewährleistet.

Wie wir heute wissen, optimierten bereits die Ureinwohner die extrem nährstoffarmen Böden des Amazonasgebietes mit Kompostunter Zugabe von Holzkohle zu äußerst fruchtbaren Schwarzerdeböden (Terra Preta). Lange wurde die enorme Fruchtbarkeit dieser Böden auf eine Düngewirkung der Holzkohle zurückgeführt, bis schließlich erkannt wurde, dass Kohle nicht düngt, sondern die Lebensbedingungen der Mikroorganismen des Bodens begünstigt. Zum Tragen kommen die Vorzüge der Holzkohle deshalb hauptsächlich in landwirtschaftlichen Systemen mit schonender Bodenbearbeitung, Mischkulturen und vielfältigem Fruchtwechsel. Auf einem üblichen Maisacker mit schwerer Bodenbearbeitung wird auch künftig nur Gülle und Kunstdünger den Ertrag sichern.

Einfach wird’s auch gehen

Heute werden großtechnische Verfahren zur Absenkung des CO2 in der Atmosphäre durch die Gewinnung von Kohle (Biokoks) diskutiert. Sicher können diese Technologien die CO2-Bilanz verbessern und sind eine Alternative zur flüssigen oder gasförmigen Verpressung von CO2. Die natürliche Ertragskraft der Böden wird die großtechnisch gewonnene Kohle aber nur optimieren, wenn die Landwirtschaft im großen Maßstab ökologischer und schonender (mit weniger schwerem Gerät) betrieben wird. In diesem Fall würde weltweit die Speicherfähigkeit der Böden durch die Humusbildung zunehmen und großtechnische Lösungen wären eigentlich überflüssig. Zusammen mit der heute schon möglichen Reduktion der CO2– Emissionen in Industrie, Verkehr, privaten und öffentlichen Haushalten wäre dies zweifelsfrei der einfachere Weg.

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