Holzverkohlung: Kienholz

UIllmanns Enzyklopädie der Chemischen Technik 1930

Verkohlung von Kienholz

Teermeiler

Das Kernholz der Kiefer, namentlich von dem Stock, enthält viel Harz, 15—30% vom Trockengewicht des Holzes. Die Verarbeitung dieses Kienholzes erfordert daher eine besondere Technik, wobei der Teer das Hauptprodukt ist Die Stöcke werden nach dem Schlagen der Bäume mehrere Jahre stehen gelassen. Dadurch vermodert der Splint, das Kernholz trocknet aus, und der Stock kann leichter losgebrochen werden. Man kann das Kienholz entweder in besonderen Teermeilern oder in Retorten verarbeiten. Auch wäre es möglich, das Harz zu extrahieren.

Die Teermeiler (Abb. 69) werden auf einem hügeligen Boden gebaut, wie die Abbildung zeigt. Die Kohlungsstätte ist somit hier trichterförmig. Im tiefsten Punkt ist der „Schuh” aufgemauert, in den der Teer während der Verkohlung fließt, um mittels einer Rinne in das Teergefäß geleitet zu werden. Der Meilerboden muß so luftdicht wie möglich mit Fichten- und
Birkenrinde oder Schindeln belegt werden, auf die ein Lager von minderwertigem Kienholz kommt. Darauf folgt das gespaltete Kienholz, das so sorgsam und dicht wie möglich gelegt wird, so daß das ganze einen runden Hügel bildet. Schließlich wird der Meiler mit einer Lage von Brennholz bekleidet, auf die die Bedeckung, gewöhnlich große Stücke von nassem Moos, auch frischem, noch laubhaltigem Birkenreisig, kommt. An den Fuß des Meilers, der keine Bedeckung hat, wird trockenes, kleingespaltetes Brennholz gelegt.

Die Zündung des Meilers geschieht am Fuß rings um den Meiler. Es muß nun das Feuer so geleitet werden, daß es den ganzen Meiler wie eine Haube umgibt.

Der Teer wird dann durch die strahlende Wärme ausgeseigert und fließt nebenan in den Schuh.

Der größte Teil der Kohlen wird somit hier gänzlich verbrannt. Die Meiler sind gewöhnlich von solcher Größe, daß sie etwa 40 Fässer Teer zu je 125 l geben. Die Fässer werden an den Aufkauf platz, den Teerhof, transportiert, wo der Teer gelagert und das allmählich abgesonderte Wasser, das Schwarzwasser oder Pärma, entfernt wird.

Der Teer muß sich zwischen den Fingern fett anfühlen und möglichst hell,
amorph, nicht körnig (von Harzkrystallen) sein. Die größten Teerhöfe im Norden liegen in Archangel, Uleaborg und Umea. Der von Nordland und Finnland kommende Teer geht gewöhnlich unter dem Namen Stockholmer Teer. Das Pärma wurde früher zum Schwellen der Häute in Gerbereien benutzt. Zurzeit hat es fast keinen Wert. Man rechnet mit einer Ausbeute von 30 / Teer pro 1 m3 Kienholz und dazu 5 — 10 Vol.-% von Holzkohle.

Kienholz wird auch in Öfen und Retorten (Abb. 70), in denen man anfangs
das Terpentinöl mit Dampf abtreibt, trocken destilliert. Bei diesem Verfahren sind die meisten Methoden, die beim trockenen Destillieren von Holz vorkommen, versucht worden. Als Ausbeute pro 1 m3 Kienholz wird angegeben: 35 kg Teer, 6—8 ^Terpentinöl und 0,35 m3 Holzkohle. Es scheint, daß diese Technik, die sehr wertvolle Produkte gibt, in eine günstige Lage kommen könnte, wenn die Extraktionsmethode eingeführt würde.

Verarbeitung der Destillationsprodukte.

Als Produkte der Holzverkohlung entstehen außer der Holzkohle unkondensierbare Gase, Holzessig, der auf Calciumacetat und Methylalkohol verarbeitet wird, Teer und Öle. Die Tafel auf Seite 185 oben gibt ausführlicher an, welche Zwischen- und Endprodukte bei der Destillation von Nadelholz gewonnen werden.

Ein Teil des Teers, besonders jenes aus Buchenholz, wird in besonderen
Fabriken zur Gewinnung von Guajacol (Bd. II, 657) und Kreosot verwendet. Die Öle, welche beim Verkohlen von Nadelholz abfallen, bilden das Rohmaterial für die Herstellung des Kienöls.

Von den Verkohlungsapparaten gelangen die Destillationsprodukte durch
einen Wasser Verschluß nach den Kondensatoren, die aus wassergekühlten kupfernen Röhren bestehen. In diesen werden Holzessig, Öle und Teer kondensiert, wobei der Teer zu Boden sinkt Das unkondensierbare Gas hat etwa folgende Zusammensetzung und folgenden Brennwert:

Die Gase enthalten, wenn bei der Verkohlung nicht über 400° gegangen
wurde, weder Wasserstoff noch aromatische Kohlenwasserstoffe. 1 mz liefert nach der obigen Berechnung bei der Verbrennung rund 2000 Kcal.
oder etwa doppelt so viel wie 1 m3 Halbwassergas. Das Holzgas ist daher besonders zum Betrieb von Verbrennungsmotoren sehr geeignet.

Die Verbrennungswärme ist etwa 3,8 % von derjenigen des Holzes. 1 kg Holz gibt rund 90 l und 1m3 Holz 30 m3 Gas. Vom Trockengewicht des
Holzes gehen etwa 5% in das Holzgas über, d. i. etwa dieselbe Menge, die
man bei der trockenen Destillation der Steinkohlen erhält.

Entteerung des rohen Holzessigs, Darstellung von Calciumacetat und rohem Holzgeist

Der direkt aus den Kondensatoren kommende rohe Holzessig enthält noch viel Teer. Gewöhnlich wird der Holzessig, nachdem er in großen Behältern sich geklärt hat, erst destilliert, wobei der größte Teil desTeers, der Blasenteer, zurückbleibt.

Vielfach wird der Holzessig periodisch im Dreiblasensystem (Abb. 71) destilliert, das aus 3 kupfernen Blasen Bt bis B3 besteht. In der ersten Blase Bt wird der Holzessig mittels indirekten Dampfes destilliert; die beiden anderen Blasen B2 und B3 enthalten Kalkmilch, durch welche die Holzgeistdämpfe hindurchgehen. Wenn der Inhalt der Blase Bt anfängt sauer zu werden, wird er entleert und die Blase von A wieder gefüllt, worauf A neue Füllung bekommt. Die Methylalkohol enthaltenden Dämpfe werden in B2 und B3 von Essigsäure befreit, so daß man also direkt durch die Destillation des Holzessigs eine verdünnte Calciumacetatlösung und eine verdünnte Holzgeistlösung erhält, die in dem Kühler kondensiert wird. Die Wirkung des Kalkes beschränkt sich aber nicht auf die Neutralisierung der Essigsäure. Gleichzeitig verseift er auch das vorhandene Methylacetat zu Calciumacetat und Methylalkohol.

Ferner führt er Aldehyde (Formaldehyd, Acetaldehyd, Furfurol) in harzartige Produkte über und emulgiert, verseift und bindet einen Teil der leichten Teeröle und Phenole. Es resultiert so eine kaffeebraune, eigentümlich und stark riechende trübe Flüssigkeit, die sich bei Vorhandensein schwacher Alkalität schnell klärt. Der Bodensatz enthält Sand, basisches Eisen- und Aluminiumacetat, Verbindungen von Kalk mit den Harzen u. a. m.

Der Inhalt der Blasen B2 und B3 wird den Bottichen Fx und F2 zugeführt und von hier mittels einer Pumpe durch die Filterpresse E gedrückt, von wo das Filtrat nach dem Bottich C gelangt, um von hier aus in die Konzentrationspfannen G, übergeführt zu werden. Bei manchen Anlagen befindet sich neben der Blase Bi noch ein Kühler, in welchem ein Teil der rohen Essigsäure kondensiert wird, um zur Neutralisation des etwa noch alkalischen Inhalts des Bottichs Fx und Fs zu dienen.

Der Holzessig kann kontinuierlich in Kupferkesseln (4 m3 Rauminhalt) destilliert werden, die mit Dampfspirale für indirekten Dampf versehen sind und aus denen der Teer jeden vierten Tag abgezapft wird. Dem Destillat wird Kalk in großen, mit Rührer versehenen, hölzernen Behältern bis zu schwach saurer Reaktion zugesetzt, worauf die Lösung in eisernen Kochern mittels indirekten Dampfes entspritet wird. Die zurückbleibende Acetatlösung wird nach dem Klären durch ein Filter
geschickt. Sie wird in verschiedener Weise verarbeitet. Entweder wird sie in eisernen oder kupfernen Pfannen, durch deren Doppelboden Dampf geleitet wird, bis zu einem dicken Krystallbrei eingedampft, dem man den Rest des Wassers (etwa 60%) auf eisernen Plandarren, die mit Feuergasen oder durch direktes Feuer geheizt werden, entzieht. Öfter wird er auch auf den gemauerten Flächen über den Verkohlungsretorten zur Trockne gebracht. Oder — und das ist für größere Anlagen empfehlenswerter — die Lösung wird in einem Dreikörperapparat (Bd. I, 27, Abb. 45 und 46) bis zu einer Konzentration von etwa 33 % eingedampft und dann in offenen Pfannen oder — zur Bewältigung großer Massen — auf Walzentrocknern (Abb. 72) eingetrocknet Der Hauptteil der letzteren ist ein rotierender dampfgeheizter Zylinder, der, in die Acetatlösung eintauchend, sich mit einer dünnen Schicht der Flüssigkeit bedeckt. Diese trocknet schnell während einer einmaligen Umdrehung des Zylinders ein und wird vor erneuter Benetzung des letzteren durch einen Schaber entfernt.

Zumeist zieht man es vor, auf den Trockenwalzen den Wassergehalt des Salzes nur auf etwa 40 % herunterzudrücken und das Produkt in Plandarren oder auf einem Fertigtrockner, d.h. einem endlos rotierenden Metallband, das sich in einem gemauerten, mit heißer Luft oder Feuergasen beheizten Raum bewegt, völlig von Feuchtigkeit zu befreien.

Für die Konzentration der Calciumacetatlösung hat sich auch die Verdampfung in Dünnschichtverdampfern, Bd. I, 21 (Kestner-Apparate), gut bewährt Für die Fertigtrocknung des Acetatbreies auf Bandtrocknern werden vielfach Huillard-Trockner benutzt. Es resultiert der Graukalk des Handels, der etwa 80% Calciumacetat enthält Als Beimengungen birgt er in relativ erheblicher Menge Ameisensäure und Propionsäure, ferner Buttersäure, Valeriansäure, Capronsäure, Croton- und Angelicasäure.

Außer Graukalk findet man im Handel noch Braunkalk (70—75 %) und Schwarzkalk (55—68 %). Braunkalk wird erhalten aus mit Kalkmilch neutralisierter roher Holzessigsäure. Die konz. Lösung wird während der Einkochung mit Salzsäure bis zur sauren Reaktion versetzt, wobei sich harzähnliche Massen ausscheiden, welche abgeschöpft werden. Schwarzkalk wird erhalten, wenn die Retortengase mit Kalkmilch neutralisiert werden (s. auch Bd. IY, 654).

Statt den rohen Holzessig durch Destillation zu entteeren, kann man auch seine Dämpfe durch Waschen mit Ölen vom Teer befreien, nachdem man durch Abkühlung auf etwa 100 °C die größte Menge desselben niedergeschlagen hat. Nach dieser Entteerung werden sie kondensiert Das Kondensat wird mit Kalk neutralisiert und entgeistet, oder es wird umgekehrt erst der Methylalkohol abgetrieben und dann die Neutralisation vorgenommen. Leitet man die entteerten Dämpfe auf festen Kalk, so erhält man direkt eine etwa 25 % ige Acetatlösung. Durch dieses Aus wasch verfahren vermindert man den Dampfverbrauch und erspart so viel Brennmaterial, daß auch die Verarbeitung von Nadelholzessig auf Acetat und Methylalkohol rentabel wird. Besonders zweckmäßig ist es, als Waschmittel Teer oder Holzessig selbst oder Gemische beider zu verwenden und die Waschung mehrmals, u. zw. bei stetig abnehmender Temperatur, auszuführen. Man gewinnt dann einen fast völlig teerfreien Holzessig (F. H. Meyer, D.R.P. 189303).

Praktisch arbeitet man nach dieser Methode derart, daß man die aus der Vorlage der Retorten kommenden Dämpfe einen Teerwäscher aus Holz passieren läßt, der ähnlich wie ein Scrubber der Leuchtgasfabriken mit Holzgittern gefüllt ist und mit seinem eigenen Kondensat gespeist wird. Eine Zirkulationspumpe hebt die am Boden des Turmes befindliche Öüssigkeit auf seinen oberen Teil. Beim Herunterfließen nimmt sie den größeren Teil des Teeres mit, und die aus dem Turm gehenden Dämpfe sind so rein, daß sie bei der Kondensation eine fast ebenso gute Säure geben wie eine destillierte Säure. Man kombiniert zweckmäßig diese einfache Methode mit der Neutralisation der Essigsäure und Konzentration der Lösung von Calciumacetat in der Weise, daß man die im Turm gereinigten Dämpfe durch einen zweiten Turm schickt, der mit in Calciumacetatlösung gelöschtem Kalk gespeist wird. Dieser entzieht den Dämpfen die Säure; sie gehen säurefrei in den Kondensator, in welchem das Kondensat zur Holzgeistdarstellung benutzt wird, oder in 2 hintereinander geschaltete Kondensatoren, deren erster einen Teil des Wassers ausscheidet, so daß man eine etwas stärkere Holzgeistlösung bekommt Die konz. Lösung von Calciumacetat, die im zweiten Turm erhalten wird, geht, wie früher angegeben, zur Trockenwalze, wo sie auf fertige Ware verarbeitet wird. Die Holzgeistlösung wird in Maischkolonnen kontinuierlich entspritet.

Bei obenstehenden Methoden werden die bedeutenden Wärmemengen, welche die aus den Retorten kommenden Destillationsprodukte mitführen, gar nicht ausgenutzt. Je verdünnter der rohe Holzessig ist, desto notwendiger ist es, um ökonomisch zu arbeiten, diese Wärme bei der Konzentration der Lösung nutzbar zu machen. Da nun Nadelholz stets einen viel verdünnteren Holzessig als Laubholz liefert, ist es eine unerläßliche Bedingung der Wirtschaftlichkeit, die vorhandene Wärmemenge auszunützen. Es ist deshalb notwendig, mit Vakuumkochern (mehrstufigen Vakuumverdampfern, Bd. I, 24) zu arbeiten, wodurch allerdings die Anlagekosten erhöht werden. Die Destillationsprodukte werden durch Heizkörper geleitet, die in einem Vakuumkessel eingebaut sind, welcher den zu destillierenden Holzessig enthält; dieser Kessel dient demnach als Kühler für die Retortenofengase und als Destillationskessel für den Holzessig. Die durch Kondensation der Retortendämpfe freigewordene Wärme genügt, um das Kondensat, den rohen Holzessig, zu destillieren, so daß man keinen besonderen Brennstoff für diese Operation braucht (D. R. P. 193 382, F. H. Meyer, Hannover-Hainholz).

Die Entspritung der destillierten Holzessigsäure.

Bei der Aufarbeitung des Holzessigs durch Destillation wird natürlich das Destillat nur so lange dem Behälter für rohen Holzgeist zugeführt, als Methanol darin nachweisbar ist. (Nachdem 1/5 überdestilliert ist, sind etwa 90% übergegangen.) Dieser rohe Holzgeist, welcher etwa 60 Tl. Methylalkohol, 25 Tl. Aceton, 8 Tl. Aldehyde, Ketone, Allyl- alkohol, Öle und 17% Wasser enthält, wird nun mit Kalk versetzt. Nach vollständiger Klärung wird die Lösung in einen Spirituskolonnenapparat übergeführt. Man nimmt gewöhnlich 4 Fraktionen. Die erste Fraktion mit einem Gehalt von 75—80% enthält noch Öle, die sich beim Verdünnen mit Wasser zeigen. Diese Fraktion geht zu einem besonderen Behälter. Die zweite Fraktion, die sich klar in Wasser löst, steigt bis zu einem Gehalt von 96%, der darauf wieder abnimmt Bei etwa 80% fangen Öle an überzugehen; hiermit beginnt die dritte Fraktion, die bis 30% fortgeht. Die vierte Fraktion geht bis 0 %. Erste und dritte Fraktion werden vereinigt, verdünnt und wieder im Kolonnenapparat destilliert. Die letzte Fraktion geht zum rohen Holzgeist (vgl. auch Methanol).

In Schweden und wohl auch anderswo wird oftmals genau so gearbeitet wie beim Verarbeiten der Maische in den Spiritusfabriken (s. Äthylalkohol, Bd. I, 722 ff., ferner Destillation, Bd. III, 607 ff.). Man benutzt einen Apparat mit Maisch- und Rektifikationskolonnen, Dephlegmator und Kühler. Die Holzessigsäure geht kontinuierlich auf den obersten Boden der Maischkolonne ein, fließt dann von Boden zu Boden und geht unten entgeistet ab. Durch hinaufströmenden Dampf wird die Säure entspritet. Die Dämpfe vom obersten Boden gehen in die Rektifikationskolonne, in welcher der Gehalt an Holzgeist verstärkt wird. Nachdem die Konzentration im Dephlegmator gesteigert worden ist, werden die Dämpfe im Kühler vollständig mit einem Gehalt von 21 — 30 % Holzgeist kondensiert. Dieser Holzgeist wird dann weiter verarbeitet, wie früher erwähnt ist

Die vom Holzgeist befreite Holzessigsäure wird in großen, mit Rührwerk versehenen Behältern mit Kalk neutralisiert und die Lösung, wie angegeben, zur Trockne gebracht.

Man kann den Rohholzessig auch — z. B. nach dem Verfahren von Hel- bronner und Criquebeuf, vgl. Essigsäure-Ester, Bd. IV, 681 — einem Veresterungsverfahren unterziehen, um so wertvolle Lösungsmittel zu gewinnen, oder man kann ihn direkt auf konz. Essigsäure verarbeiten (vgl. Essigsäure, Bd. IV, 657). Durch beide Methoden gelingt es — unter Umgehung der Herstellung und Zersetzung von Graukalk — direkt die Essigsäure des Rohholzessigs in eine verkaufsfähige, hochwertige Form zu überführen.

Verarbeitung des Holzteers

Der Holzteer ist sehr verschieden zusammengesetzt. Die bei 30 mm Druck bis 150 °C übergehende Fraktion des Nadelholzteers besteht aus Terpenen, anderen Kohlenwasserstoffen und Phenolen, Fraktion 150—250 °C aus Polyterpenen, anderen gesättigten und ungesättigten Kohlenwasserstoffen und Phenolen.

Fraktion 250—300 °C enthält bei Meilerteeren Harzsäuren und Harz, auch höhere Fettsäuren. Im Vorlauf der Teeröle hat man Aldehyde und Ketone, darunter Diacetyl, das ihm die gelbe Farbe und den scharfen Geruch verleiht, nachgewiesen, ferner Furfurol, Methyl- und Dimethylfuran, alles Bestandteile, die der Cellulose entstammen. Unter den Kohlenwasserstoffen findet man Benzol, Toluol und Xylol, die Harzen ihr Dasein verdanken. Unter den Phenolen des Laubholzteers überwiegen Kreosot und Guajacol. Die Menge der einzelnen Fraktionen ist sehr verschieden. Der Destillationsrückstand ist Pech.

Im allgemeinen wird der Rohteer nur durch Entfernung des Wassers auf Handelsware verarbeitet. Dies geschieht entweder nur durch Lagerung wie beim Meilerteer oder durch Erhitzung mit direktem Dampf in mit kupfernen Dampfspiralen versehenen hölzernen Behältern, wobei nach der Abkühlung das Wasser von dem Teer abgezapft wird.

Öle, welche der Rohteer immer und besonders beim Verarbeiten von Nadelholz enthält, werden nebst dem Wasser in Kupferkesseln mit sowohl indirektem wie direktem Dampf abdestilliert. Man erhitzt mit direktem Dampf, solange Ole übergehen; nachher wird mit indirektem Dampf der Teer wasserfrei gemacht. Vom Teer destillieren bei 30 mm Druck etwa: bis 150 °C 17%, von 150 bis 250 °C 43%, von 250 bis 290 °C 14 %; Pech 23%, Verlust 3 %.

Meilerteer dagegen gibt etwa folgendes Resultat:
bis 150 °C 17%, von 150 bis 250 °C 26%, von 250 bis 290 °C 40 %, Pech 16%, Verlust 1%. Meilerteer enthält somit viel mehr Harzsäuren als Fabrikteer.

Die von dem Teer abdestillierten Öle, die aus Vorlauf und bei Nadelholz
als Material aus Holzterpentinöl und etwas Teer bestehen, werden redestilliert in einem Apparatensystem, wie es etwa Abb. 73 veranschaulicht. Die Kupferblase ist mit Anordnungen für direkten und indirekten Dampf versehen. Das Destillat passiert 1 oder 2 wohl isolierte Laugenwäscher a und b, in denen die Destillationsprodukte mit Natronlauge von etwa 10 % gewaschen werden. Die Dämpfe werden zuletzt in einem Spiralkühler kondensiert und vom Wasser getrennt Unkondensierte Gase gehen durch das Rohr c in die freie Luft. Man destilliert zuerst mit indirektem Dampf den Vorlauf; darnach wird das rohe Terpentinöl wie immer mit direktem Dampf abgetrieben. In der Destillationspfanne bleibt ein teerartiger Rest, der zum Teer geht.

Das rohe Holzterpentinöl wird teils als solches verkauft, teils direkt zu Konsumware verarbeitet Die Reinigung wird mit Natronlauge und Schwefelsäure in einem Wäscher (Abb. 74) vorgenommen. Mit Natronlauge wird zuerst kräftig umgerührt, wonach mit Wasser gewaschen wird. Darauf folgt eine Behandlung mit etwa 2% allmählich zugeführter Schwefelsäure von 60° Be, wobei die Temperatur von 30° nicht überstiegen werden darf, und erneute Waschung mit Wasser. Darauf wird das Öl in einem Kolonnenapparat redestilliert, u. zw. erst mit indirektem Dampf bis zum spezifischen Gewicht 0,855 (Vorlauf), dann mit direktem Dampf, wobei das Holzterpentinöl übergeht, anfangs gelb, dann farblos, zuletzt wieder gelb. Die gelben Öle gehen zurück zum Rohterpentin. Der farblose Teil ist die Handelsware Holzterpentinöl oder reines Kienöl.

Das Terpentinöl kommt, wie angeführt, vorgebildet im Holz vor. Es ist demnach klar, daß das Öl, welches schon vor dem eigentlichen Anfang der Kohlung übergeht, am leichtesten zu reinigen ist und das beste Öl gibt.

Sobald das Terpentinöl zusammen mit den Ölen und Teer, die bei der trockenen Destillation entstehen, übergeht, ist es schwieriger zu reinigen und kann überhaupt nicht von gesättigten, aliphatischen und cyclischen Ölen von gleichem Siedepunkt befreit werden.

Verwendung der Holzverkohlungsprodukte

Holzkohle, zumal die Meilerkohle, dient vor allem für hüttenmännische Arbeiten (Holzkohleneisen) (in den Vereinigten Staaten, in Rußland, Ungarn und Schweden), ferner zur Erzeugung von Schwarzpulver, für den Hausbrand (besonders in Frankreich), für Zwecke des Handwerks, für die Herstellung von aktiver Kohle (vgl. diese unter Kohlenstoff), von sog. „Glühkohle”, Bügelkohle u. s. w.

Calciumacetat (Graukalk) wird auf Essigsäure (Bd. IV, 641) und andere essigsaure Salze (Bd. IV, 665) sowie auf Aceton (Bd. I, 105) verarbeitet. Bei Darstellung des letzteren erhält man als Nebenprodukte Methyläthylketon und sog. Acetonöle (weiße und gelbe), die ihre Entstehung den höheren, im Graukalk vorhandenen Fettsäuren verdanken (s. Bd. I, 111).

Holzgeist wird als Rohmethanol oder Reinmethanol in den Handel gebracht. Aus ersterem wird sog. Denaturierungsholzgeist gewonnen, welcher zum Denaturieren von Spiritus dient. Reinmethanol findet vorzugsweise für die Erzeugung von Farbstoffzwischenprodukten (Dimethylanilin, Formaldehyd) und Heilmitteln Verwendung (s. Methanol).

Holzteer wird als Meilerteer und als weniger wertvoller Fabrikteer, herrührend von den Holzdestillationswerken, gehandelt. Nadelholzteer dient als Anstrichmittel für Schiffe, Holzgeräte, Taue. Laubholzteer wird zum großen Teil verheizt bzw. in Verbrennungsmotoren verbraucht. Die Schweröle dienen Imprägnierungszwecken; die aus den schweren Ölen des Buchenholzteers gewonnenen Phenole Guajacol und Kreosot bilden das Ausgangsmaterial für Heilmittel (siehe Kreosotcarbonat u. s. w.). Die leichten Teeröle werden statt des Benzins zum Betrieb von Verbrennungsmotoren benutzt. Gleiche Verwendung findet der Vorlauf des Nadelholzteers. Uber die Verwendung des aus dem Kienöl gewonnenen Terpentinöls s. d. und Harzindustrie (Bd. VI, 121). Das Pech, fast ausschließlich von der Hartholzdestillation herrührend, findet beschränkte Verwendung als Asphaltersatz.

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