Schwarzes Eis verboten

Mit der schwarzen Schleckerei ist erstmal Schluss in New York. Die lokale Aufsichtsbehörde New York City Department of Health and Mental Hygiene (DOHMH) hat die beliebte Eiscreme und alle mit Aktivkohle versetzten Getränke aus dem Verkehr gezogen. So berichtet es der Observer am 6. Juli 2018 und geht darauf ein, dass schwarze Lebensmittel immer beliebter wurden und sich Leute damit fotografiert und die Fotos in den sozialen Medien veröffentlicht haben. Als Quelle wird Eater NY angegeben.

Betroffen davon ist Morgenstern’s Finest Ice Cream, wo Eiscreme im Wert von  3.000 $ vernichtet werden musste, die im Rahmen einer routinemässigen Kontrolle beanstandet worden war. Nick Morgenstern, der das schwarze Eis seit 2015 anbietet, sagte, dass er davon völlig überrascht worden sei. Bei keiner der früheren Kontrollen hätte es Probleme gegeben und gab auch keinen Vorwarnung.

Auch beim Café Round K gab es wegen seiner »activated charcoal latte« eine Inspektion durch das DOHMC. Zwei Tüten mit jeweils fünf Pfund  Aktivkohle wurden beschlagnahmt. Auch hier hatte der Betreiber Ockhyeon Byeon keine Ahnung davon, dass er etwas Illegales mache.

Das DOHMC bezog sich auf eine Vorschrift der FDA (U.S. Food and Drug Administration), wonach Aktivkohle nicht als Zusatz oder Farbstoff für Lebensmittel zugelassen sei. Im Gegansatz zur EU, wo sie als Lebensmittelzusatz E153 zugelassen ist und auch schon gelegentlich zum schwarzfärben von Backwaren eingsetzt wurde.

Bei der DOHMC werde befürchter, dass die Aktivkohle die Wirkung von Medikamenten, vor allem von Verhütungsmitteln, beeinträchtigen könne, heisst es aus New York.

Für die betroffenen Lokale ist es ein schwerer Schlag, denn durch die Aktivkohle wurden sie richtig populär und viele kamen nur, um Fotos zu machen und dann im Internet zu veröffentlichen.

Es ist natürlich richtig, dass Aktivkohle die Fähigkeit hat, alle möglichen Substanzen zu absorbieren. Deshalb wird Aktivkohle in der Notfallmedizin bei Vergiftungen eingesetzt. Da werden aber Mengen in der Grössenordnung von 1 g Aktivkohle pro kg Körpergewicht eingesetzt. Es ist die Frage, ob die winzingen Mengen in einer Portion Speiseeis oder einem Café Latte eine nachweisbare Wirkung haben. Schlieslich darf es als Lebensmittelzusatz E153 überall eingesetzt werden, wo der Zusatz von Farbstoffen grundsätzlich erlaubt ist.

Eine Beschränkung der Höchstmenge existiert für Pflanzenkohle nicht. Pflanzenkohle beispielsweise für Süßigkeiten, Marmeladen, Gelees und Fruchtsaftzubereitungen verwendet. Zudem dient Pflanzenkohle zum Einfärben von Käserinde, genauer für schwarze Wachsüberzüge von Käse oder für das Aschen von Käse. Geascht (fr.: cendre) wird beispielsweise der Käse Morbier oder Saint Maure (Ziegenkäse). Käse wird geascht, um die Feuchtigkeit der Käse-Oberfläche zu binden. Dadurch entsteht zum einen eine Art Rinde und zum anderen bindet die Asche Milchsäure, die das Ansetzen der erwünschten Reifekulturen unterstützt.

In Deutschland war der Boom mit dem schwarzen Eis gerade erst angelaufen. Bei der Eismesse Gelatissimo vom 15. bis 19. Februar 2018 in Stuttgart wurde es als neuer Trend entdeckt. Ein Eis-Blog berichtete

Auffällig war, dass fast jeder Eisanbieter schwarzes Eis im Sortiment hatte. Meist hieß es „Black Vanilla“, manchmal aber auch „Black Mamba“ oder ähnlich. Häufig ist das ein Vanilleeis, welches mit Aktivkohle (Lebensmittelkohle) eingefärbt wird. Die Färbung reichte von fast schwarz bis hellgrau, bei einigen Herstellern konnte man die Kohle sogar noch leicht als sandige Textur im Abgang schmecken. Ist nicht jedermanns Sache. Bei der Firma Kessko gab es das schwarze Eis mit Aktivkohle auch mit Lakritzgeschmack, Black Hawaii stellte ihr gleichnamiges schwarzes Eis mit Kokos-Schokoladen-Geschmack vor.
Die europäischen Hersteller sind jedenfalls auf der sicheren Seite.
In Berlin ist wird die Eissorte »Black Poodle« als schwarzes Eis aus Aktivkohle, mexikanischer Vanille und Marshmallows angeboten. Die Verkostung, von der in QIEZ am 17. August 2018 berichtet wurde, klang nicht euphorisch uns sieht für die Zukunft dieses Trends eher schwarz:

Viel Hype, wenig Geschmack
Als ich an der U-Bahn-Station auf die U1 warte und gedankenverloren an meinem Eis schlecke, vergesse ich darüber hinaus fast, was ich gerade esse, denn: Irgendwie schmeckt die Eiscreme nach nichts. Ganz leicht nach Vanille vielleicht und wenn ein Marshmallow auftaucht auch mal süßlich, aber trotzdem langweilig. Ganz abgesehen davon, dass ich merke, wie sehr das Eis abfärbt, als es über meinen Finger läuft. Pechschwarz!

Hektisch beginne ich, an meinem Mund herumzuwischen, um eventuelle schwarze Lippen zu beseitigen, als auch schon die U-Bahn kommt. Ich steige ein, es ist eng, ich will keinen bekleckern und stehe still mit meinem schwarzen Eis in der Ecke. Als ich einen Sitzplatz ergattere, sitze ich da und merke, dass ich es immer noch nicht essen will. Ich schaukle auf meinem Sitz hin und her und starre dabei auf den schmelzenden Eisberg in meiner Hand: pechschwarz mit silbernem Schimmer wie ein Ölsee. Was tun? Kurzentschlossen stehe ich an der nächsten Station auf, positioniere mich an der Tür und lasse das restliche Eis unauffällig in den Spalt zwischen Tür und Bahnsteig gleiten. Hups!

Fazit
Mir schmeckt das schwarze Eis leider absolut nicht. Was wieder zeigt: Nicht jeder Hype ist gerechtfertigt. Leid tut es mir aber um die schwarze Schokowaffel, die wirklich sehr lecker ist. Und eigentlich sind auch alle anderen Sorten im Black Poodle Ice Cream Club wirklich gut, zum Beispiel die Sorten Sir Walnut oder Gianduja Napoleone mit Haselnussnougat. Nur das schwarze Aktivkohle-Eis, das sollte diesen Sommer lieber nicht überleben!

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