Der Gasschlepper im Vierjahresplan

Hans Jastram in HANS A Deutsche Schiffahrtszeitschrift 1937, Seite 1051

Der Gasschlepper im Vierjahresplan.

Der Schiffsantrieb für Binnenschiffe greift heute auf bereits unmoderne und überholte Grundsätze zurück welche sich überraschenderweise unter der Anwendung des heutigen hohen Standes der Technik als durchaus nicht rückständig erweisen.

Der einst gewesene Sauggas-Motor ist jetzt wieder da und berufen eine wichtige Stelle in der Auswirkung des Vierjahresplanes auf die Binnen -und Hafenschiffahrt einzunehmen. Auf der ganzen Linie arbeitet die Motorenindustrie daran sich möglichst schnell und ohne Einbuße von Wirtschaftlichkeit auf den Verbrauch deutscher Kohle umzustellen. Die Abneigung der Schiffahrt gegen den Sauggas-Motor steht der schnellen Kntwicklung und der Einführung teilweise noch im Wege. Sie wird überwunden werden denn es sind Voreingenommenheiten aus vergangener Zeit welche die klaren Erkenntnisse der Vorteile des Sauggasbetriebes trüben. Wenn einmal eine Sache gescheitert ist und das war vor Jahren bei dem Betrieb von Sauggas-Motoren-Anlagen an Bord der Fall dann ist oftmals eine nachsetzende Verbesserung bis zur Vollkommenheit nicht in der Lage das im Scheitern der Entwicklung verlorcngegangene Vertrauen zur Sache zurückzuholen. Es bedarf eines unvorhergesehenen Anstoßes um die Mitwelt zur Revision aufnrütteln und das ist durch den Vierjahresplan geschehen und zwar mit einer erfrischenden Heftigkeit wie so manche Initiative welche durch den Nationalsozialismus in die abgesackte Wirtschaft hincingctrugen wurde.

Legen wir die Vorteile und Nachteile des Sauggas-Betriebes an Bord in die Waagschale dann sind die Nachteile nicht wirtschaftlicher sondern rein persönlicher Art. D. h. wer sich die wirtschaftlichen Vorteile des Sauggasbetricbes sichern will der muß die persönlichen Nachteile in Kauf nehmen, welche durch größere Anforderungen an die Aufmerksamkeit der Bedienung bedungen sind.

Wir sind in den letzten Jahren durch den Dieselmotor-Antrieb bezüglich der Bedienung sehr verwöhnt. Der heutige Maschinist an Bord eines Dieselschiffes führt ein sehr viel gesünderes und angenehmeres Berufsleben als sein Vater, der Dampf-Maschinist, welcher oftmals auch noch sein eigener Heizer war. Von der errungenen vereinfachten Seite des Berufslebens muß der Diesel-Maschinist von heute bei seiner Umstellung auf Sauggas wieder etwas als Opfer für den Vierjahresplan hergeben hierbei sei gleich gesagt daß es nur ein geringes Opfer ist, das weder große körperliche Arbeitsleistungen wie früher das Kohlenschaufeln vorm Kessel, noch umständliche Ueberwachung, wie bei der Dampfanlage bedingt. Der Sauggas-Motor bedarf keiner anderen Bedienung als der Dieselmotor und der Generator ist derart vereinfacht und bei der neuen Entwicklung unter Berücksichtigung auf einfache Bedienung gebaut daß keinerlei übergroße Zumutungen an das Bedienungspersonal gestellt werden brauchen.

Die wirtschaftlichen Vorteile des Sauggas-Betriebes an Bord sind die Verwendung billiger Kohle d. h. Koks und damit die außerordentlich gute Wirtschaftlichkeit welche diejenige des Dieselmotors übertrifft. Diese Tatsache ist leider viel zu wenig bekannt und wird oftmals auch gerne von denjenigen Stellen verschwiegen welche der Einführung des Sauggas-Motors an Bord entgegenstehen. Befasssen wir uns allein mit der sachlichen Beurteilung der Sauggas-Motoren in bezug auf ihre Brennstoffkosten so ergibt die nachstehende Zusammenstellung der Verbrauchskosten heutiger Antriebsarten einen interessanten Ueberblick. Die Tabelle ist so zusammengestellt daß eine Nachprüfung sowohl dem Fachmann als auch dem Wirtschaftler möglich ist. Die Zahlen werden sich hierbei für jeden Betrieb etwas anders gestalten.

Sauggas Schiff Wirtschaftlichkeit 1937

Vergleich von Brennstoffkosten einer 150 PS Schiffsanlage

Die Aufstellung zeigt also eine große Ueberlegenheit des Sauggasmotors in bezug auf die hauptsächlichste Unkostenart nämlich den Verbrauch. Neben den wichtigen Brennstoffkosten spielen noch die Schmierölkosten die Kosten der Unterhaltung und die Kosten der Abschreibung und der Verzinsung eine Rolle. Wir können die zuletzt aufgeführten Kosten als untergeordnet betrachten weil sie nicht sehr stark differieren und andererseits weil sie gegenüber der beherrschenden Stellung der Brennstoffkosten abfallen.

Eine sehr genaue Gegenüberstellung eines Dieselschiffes – Dampfschiffes – Sauggasschiffes ist möglich wenn ein praktisches Beispiel an Hand einer bestehenden Fahrzeug-Flotte gemeinsam von Schiffsgesellschaft und Motorengcsellschaft aufgestellt wird. Eine solche Aufstellung ergibt alsdann eine sehr genaue Gegenüberstellung der Betriebskosten pro Schiff.

Im übrigen dürfen wir innerhalb des Vierjahresplanes nicht nach dem letzten Pfennig suchen sondern nach dem großen Gesichtspunkt der sparsamsten Ausnutzung unserer im Land befindlichen Brennstoffe und hier ist es der Sauggas-Motor dessen Genügsamkeit die Verwendung des Kleinkokses ermöglicht der von den Zechen als lästiger Halden-Bestand aufgespeichert anderweitig schwer zu verwenden ist. Diese Ueberlegung muß heute dem W irtschaftler die Entscheidung für die Sauggas-Anlage bestimmend beeinflussen und die billigeren Brennstoffkosten sind es welche ihm die Entscheidung grundsätzlich er leichtern. Die Motorenindustrie muß sich anschließen und sollte nicht müde sein die Umstellung ihrer Dieselfabrikation auf Sauggas-Fabrikation ebenso schnell wie billig durchzuführen. Sie rechnet dabei auf ein wohlwollendes Hand-in-Handarbeiten mit den Schiffsgesellschaften und den Schiffsbesitzern und sie rechnet ferner daß sich die noch vielseits bestehende Antipathie gegen den Sauggasmotor legen wird. Auch an die Ordnungsbehörden appelliert der Vierjahresplan und fordert sie auf ihre Vorschriften so auszuarbeiten und anzuwenden, daß der Weg den die Motorenindustrie und die Wirtschaft in Richtung der Sauggas-Entwicklung schreitet kein zu dornenvoller wird.

Hans Jastram

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