Das Reich der Erfindungen

Samter, Heinrich: . Berlin, 1896.

Seite 307 / 308  Gasförmige Leuchtſtoffe, Gasbeleuchtung.

Nicht nur die Steinkohle dient, wenn auch überwiegend, zur Leuchtgasfabrikation; von anderen Subſtanzen, die in Betracht kommen, ſind zu nennen: Holz, Harz, Petroleumrückſtände, Fett aller Art.

Holz liefert bei einer Temperatur von 800—900°C. ein Gas, welches im weſentlichen aus Kohlenoxyd, Kohlenſäure und Grubengas beſteht. Es giebt daher, nach Entfernung der Kohlenſäure durch den Kalkreiniger, nur ſchwach leuchtende Flammen. Zur Erzielung hinreichender Leuchtkraft muß das entwickelte Gas hinreichend lange mit den glühenden Wänden der Retorten, die aus dieſem Grunde viel größer als die gewöhnlichen gewählt werden, in Berührung ſein. Dadurch zerſetzen ſich die reichlich entweichenden Teerdämpfe; ihre gasförmigen, kohlenreichen Zerſetzungsprodukte mengen ſich dem Gaſe bei und machen es leuchtkräftiger. Ammoniak und Schwefelwaſſerſtoff enthält das Holzgas gar nicht. Das Gaswaſſer enthält Methylalkohol und

Eſſigſäure, in den Retorten bleibt Holzkohle zurück. Die Darſtellung des Holzgaſes iſt nur dann zu empfehlen, wenn man trockenes Holz in Menge zu billigerem Preiſe als Steinkohlen haben kann. Noch weniger praktiſch iſt die Fabrikation von Leuchtgas aus Torf, weil es beſonders ſtark verunreinigt iſt, auch Schwefelwaſſerſtoff und Ammoniak
enthält.

In beſonders waldreichen Gegenden, z. B. in einzelnen Teilen Amerikas, verwendet man auch Harze aller Art zur Gasfabrikation. Dieſelben werden nicht direkt deſtilliert, vielmehr erſt bei gelinder Hitze geſchmolzen. Das geſchmolzene Harz läßt man dann in die zum Glühen erhitzte, mit Ziegelſtücken gefüllte Retorte fließen, wo es ſich zerſetzt. Das Harzgas iſt etwa von der Güte des Steinkohlengaſes; aus 100 kg Harz erhält man im Mittel 60 Kubikmeter Gas.

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